Genetische Defekte der Betazellfunktion: MODY-Diabetes

Wissenschaftliche Unterstützung: Oana Patricia Zaharia

MODY-Diabetes (Abkürzung für englisch „Maturity onset diabetes of the young“) wird auch als Typ-3a-Diabetes bezeichnet. Er wird durch genetische Defekte, die zu einer Funktionsstörung der Betazellen beziehungsweise zu einer beeinträchtigten Insulinsekretion führen, verursacht. Weltweit tritt er bei weniger als 5 von 100 der Menschen mit Diabetes auf.

Bei MODY-Betroffenen wird häufig ein Typ-1- oder Typ-2-Diabetes festgestellt. Erst durch die Durchführung eines Gentests können die Veränderungen im Erbgut identifiziert werden. In der Regel tritt der MODY bei normalgewichtigen jungen Erwachsenen (unter 25 Jahren) familiär gehäuft auf.

Welche MODY-Typen gibt es?

Aktuell sind 11 Formen des MODY-Diabetes bekannt. MODY3-Diabetes gehört zu den häufigsten auftretenden MODY-Formen. Beim MODY3-Diabetes liegt ein Defekt im Gen für den Transkriptionsfaktor HNF-4-alpha (hepatocyte nuclear factor-4-alpha) vor. Die Behandlung erfolgt durch eine normnahe Blutzuckereinstellung, bevorzugt mit Sulfonylharnstoffen, einem oralen Antidiabetikum, das die Freisetzung von Insulin aus der Bauchspeicheldrüse fördert. Im Laufe der Krankheitsentwicklung müssen etwa 30 bis 40 Prozent der Betroffenen mit Insulin behandelt werden.

Der 2. häufigste MODY-Typ, MODY2, verhält sich im Verlauf eher mild und über Jahre stabil. Dementsprechend treten hier diabetesbedingte Folge- und Begleiterkrankungen selten auf. Als Therapie werden eine ausgewogene Ernährung und regelmäßige Bewegung empfohlen.

Bei MODY1 liegt auch eine Störung im Gen für den Transkriptionsfaktor HNF-4-alpha vor. Wie bei MODY3 erfolgt die Therapie mit Sulfonylharnstoffen und im fortgeschrittenen Verlauf wird bei fast jedem 3. Menschen mit dieser Diabetes-Form eine Insulintherapie erforderlich.

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Weitere MODY-Typen sind extrem selten. Zum Beispiel können Fehlbildungen von Geschlechtsorganen mit einer Diabetes-Erkrankung auf MODY5 hindeuten. Auch liegt bei MODY5 eine Insulinresistenz vor, sodass in der Regel bei MODY5 eine Insulintherapie empfohlen wird.

Eine humangenetische Beratung ermöglicht eine zusätzliche Identifizierung von Risikopersonen. Dazu gehören speziell Familienangehörige 1. Grades, bei denen das Risiko an einer Genmutation zu erkranken um 50 Prozent erhöht ist. Die genetische Feststellung ist gerechtfertigt bei Patientinnen und Patienten mit atypischen Diabetes-Formen, zum Beispiel mit milden Überzuckerungen und einer familiären Vorgeschichte von Diabetes (mindestens 2 Generationen).

Quellen:

American Diabetes Association: 2. Classification and Diagnosis of Diabetes: Standards of Medical Care in Diabetes - 2019. In: Diabetes Care, 2019, 42: S13-S28
Fehmann, H. C. et al.: Diabetes mellitus mit monogen determinierter Störung der Beta-Zell-Funktion: Maturity-onset Diabetes of the Young. In: Deutsches Ärzteblatt, 2004, 101: A860-A867
Meissner, T. et al.: Maturity-onset diabetes of the young (MODY) - Eine wichtige Differenzialdiagnose des früh manifestierenden Diabetes mellitus. In: Der Diabetologe, 2010, 6: 219-230
Naylor, R. N. et al.: Cost-Effectiveness of MODY Genetic Testing: Translating Genomic Advances Into Practical Health Applications. In: Diabetes Care, 2014, 37: 202-209
Neu, A. et al.: Diagnostik, Therapie und Verlaufskontrolle des Diabetes mellitus im Kindes- und Jugendalter. In: Diabetologie, 2016, 11: S159–S169
Stand: 04.12.2019