Was sind seltene Formen eines auto-immunvermittelten Diabetes?

Wissenschaftliche Unterstützung: Oana Patricia Zaharia

Diabetes kann auch bei Menschen auftreten, die an einer anderen sehr seltenen Autoimmunerkrankung leiden. Bei einer Autoimmunerkrankung richtet die Immunabwehr Antikörper gegen die eigenen Zellen des Körpers und löst dadurch eine Entzündung aus. Antikörper sind Werkzeuge des Immunsystems. Sie markieren normalerweise körperfremde Stoffe, zum Beispiel Krankheitserreger wie Bakterien oder Viren, um deren Zerstörung durch die Immunzellen vorzubereiten.

Bei einer Autoimmunerkrankung funktioniert die Unterscheidung zwischen Freund und Feind nicht mehr richtig, sodass auch körpereigene Zellen angegriffen werden.

Bei den seltenen Formen eines autoimmunen Diabetes werden andere Zellen angegriffen als bei Typ-1-Diabetes. Menschen mit diesen Erkrankungen zeigen erst ein anderes Krankheitsbild und spüren nicht die typischen Anzeichen einer Diabetes-Erkrankung. Zusätzlich können diese Erkrankungen zu sehr hohen Blutzuckerspiegeln führen, sodass Fachleute von einem Diabetes sprechen.

Welche seltenen Formen eines auto-immunvermittelten Diabetes gibt es?

„Stiff-Person"-Syndrom

Das „Stiff-Person“-Syndrom ist eine sehr seltene Autoimmunerkrankung des Gehirns und des Rückenmarks, bei der die Muskeln versteifen. Etwa 1 von 1 Millionen Personen entwickelt diese Krankheit. Davon kann etwa ein Drittel zusätzlich an Diabetes erkranken.

Bei diesen Personen richten sich die Antikörper neben den Nervenzellen auch gegen die Betazellen der Bauchspeicheldrüse, die Insulin herstellen. Ohne Insulin können die Körperzellen den Zucker nicht aus dem Blut aufnehmen. Der Blutzuckerspiegel steigt stark an.

Durch „Anti-Insulinrezeptor-Antikörper“ verursachter Diabetes

Bei dieser seltenen Krankheit binden Antikörper so an die körpereigenen Zellen, dass die Zellen kein Insulin mehr aufnehmen können. Dabei blockieren sie den sogenannten Insulinrezeptor, eine Art Türschloss der Zellen. Daran dockt Insulin wie ein Schlüssel an und öffnet so die Zelle für den Zucker im Blut. Blockiert der Antikörper dieses Schloss, kann Insulin die Zelltür nicht mehr öffnen. Der Zucker verbleibt im Blut und es entstehen sehr hohe Blutzuckerspiegel.

Quellen:

American Diabetes Association: Diagnosis and Classification of Diabetes Mellitus. In: Diabetes Care, 2014, 37, supplement 1, S81-S90
Feingold, K. R. et al.: Atypical forms of diabetes. In: Endotext [Internet]. MDText.com, Inc. 2019
Orphanet: Stiff-Person-Syndrom und verwandte Krankheiten. 2019
Stand: 31.10.2019