Un­ter­zu­cke­rung und Ke­to­azi­do­se: Not­fall-Si­tua­tio­nen bei Dia­be­tes

Wissenschaftliche Unterstützung: Prof. Dr. Andreas Fritsche, Andreas Vosseler M.A.

Bei der Diabetes-Behandlung können Unterzuckerungen auftreten, insbesondere unter der Therapie mit Insulin und bestimmten blutzuckersenkenden Tabletten (Sulfonylharnstoffe). Ursachen für Unterzuckerungen sind zum Beispiel erhöhte körperliche Aktivität, zu viel Insulin oder blutzuckersenkende Tabletten, zu wenig Essen, aber auch erhöhter Alkoholkonsum.

Eine Unterzuckerung wird in der Medizin als Hypoglykämie bezeichnet und in der Umgangssprache oft als „Hypo“ abgekürzt. Leichte Unterzuckerungen treten im Alltag vor allem bei Typ-1-Diabetes vergleichsweise häufig auf. Wenn Betroffene die Anzeichen rechtzeitig bemerken und den Zuckerabfall bremsen, indem sie Kohlenhydrate essen, lassen sich Unterzuckerungen in der Regel gut in den Griff kriegen.

Darüber hinaus gibt es auch Überzuckerungen (Hyperglykämie). Eine gefährliche akute Entgleisung des Stoffwechsels, die mit einer starken Überzuckerung einhergeht, ist die Ketoazidose. Sie tritt auf, wenn im Körper kein oder fast kein Insulin mehr vorhanden ist und betrifft meistens Menschen mit Typ-1-Diabetes. 

Eine Ketoazidose kann in ein diabetisches Koma münden und lebensgefährliche Folgen haben. Wichtige Gegenmaßnahmen sind eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr und die Gabe von Insulin. Da der Körper von Menschen mit Typ-2-Diabetes in der Regel zumindest kleine Mengen an Insulin selbst herstellt, tritt eine Ketoazidose bei ihnen seltener auf. Dafür kann es in seltenen Fällen zu einem sogenannten hyperglykämischen hyperosmolaren Syndrom kommen. Es wird von extremen Blutzuckerwerten über 600 mg/dl (33,3 mmol/l) begleitet, kann ebenfalls zum Koma führen und ist ein Fall für Notarzt oder Notärztin.

Im Folgenden erfahren Sie, wie Sie Stoffwechselentgleisungen bei Diabetes rechtzeitig erkennen und gegensteuern können – und was im Notfall hilft.

Was ist eine Un­ter­zu­cke­rung?

Bei einer Unterzuckerung (Hypoglykämie) fällt der Blutzucker in einen zu niedrigen Bereich, sodass Symptome wie beispielsweise Schwitzen, Zittern, Hungergefühl bis hin zu Bewusstseinstrübungen auftreten. Eine feste Grenze, ab der die Beschwerden auftreten, gibt es nicht. Gemäß der Definition der amerikanischen Diabetes Gesellschaft (ADA) liegt eine Unterzuckerung bei Werten unter 70 mg/dl (3,9 mmol/l) vor.

Eine „Hypo“ kann sich aber schon früher oder auch erst bei niedrigeren Werten bemerkbar machen. Gerade bei Menschen mit Typ-1-Diabetes, die häufig Unterzuckerungen erlebt haben, kann die Wahrnehmungsschwelle im Laufe der Zeit sinken. Sie bemerken den Blutzuckerabfall deswegen erst dann, wenn der Glukosespiegel schon tief gesunken ist. Ein Hypoglykämie-Wahrnehmungstraining kann dann helfen, die eigene Empfindlichkeit für Anzeichen einer Unterzuckerung wieder zu verbessern.

Häufig werden Unterzuckerungen nach Schweregrad unterschieden:

  • Bei einer milden Unterzuckerung ist der Patient oder die Patientin in der Lage, sich durch die Einnahme von Kohlenhydraten selbst zu helfen.
  • Bei einer schweren Unterzuckerung ist er oder sie hingegen auf Hilfe von anderen angewiesen.

Gut zu wis­sen:

Ein Notfallausweis informiert Ärztinnen und Ärzte sowie Ersthelferinnen und Ersthelfer im Notfall über die bestehende Diabetes-Erkrankung und eingenommene Medikamente.

Was sind die Ur­sa­chen ei­ner Un­ter­zu­cke­rung?

Zu einer Unterzuckerung kann es aus verschiedenen Gründen kommen:

  • Zu wenig Kohlenhydrate gegessen: Zum Beispiel, weil eine Mahlzeit ausgelassen wurde.
  • Sport: Bei körperlicher Aktivität steigt der Energiebedarf. Zudem verbrennt der Körper nach dem Sport längere Zeit zusätzliche Kalorien, sodass noch Stunden später eine Unterzuckerung auftreten kann.
  • Insulin überdosiert: Etwa zu viel Insulin gespritzt, das Insulinpräparat verwechselt oder Insulin zu lange vor dem Essen gespritzt.
  • Insulin in den Muskel gespritzt: Die Wirkung des Insulins setzt dadurch schneller ein. Das kann zu einer Unterzuckerung führen, wenn nicht rechtzeitig Kohlenhydrate gegessen werden.
  • Einnahme von bestimmten blutzuckersenkenden Tabletten (Sulfonylharnstoffe).
  • Alkohol: Nach dem Genuss von Bier, Wein und Co. kann der Blutzuckerspiegel stark abfallen. Vor allem bei Alkoholkonsum am Abend kommt es so schnell zu einer Unterzuckerung im Schlaf.
  • Verbesserte Insulinaufnahme: Bei Wärme, etwa nach einem Sonnenbad, geht Insulin schneller ins Blut über.
  • Verbesserte Insulinwirkung: In der frühen Schwangerschaft oder nach einer Gewichtsabnahme kann weniger Insulin nötig sein.

Sym­pto­me: Wie er­ken­ne ich eine Un­ter­zu­cke­rung?

Die Beschwerden, mit denen sich eine Unterzuckerung äußert, können von Mensch zu Mensch sehr verschieden sein. Ein Überblick über die häufigsten Symptome:

  • Zittern
  • Schweißausbrüche
  • Heißhunger
  • Unruhe, Nervosität
  • Gesichtsblässe
  • Angst
  • Erhöhter Puls (Herzklopfen)
  • Wesensveränderungen
  • Verwirrtheit, Orientierungslosigkeit
  • Krämpfe
  • Sprach- und Sehstörungen

Was hilft bei ei­ner Un­ter­zu­cke­rung?

Wer Anzeichen einer Unterzuckerung bei sich verspürt, sollte umgehend Kohlenhydrate zu sich nehmen, die schnell ins Blut gehen. Dafür eignen sich gut 2 bis 4 Plättchen Traubenzucker, eine kleine Handvoll Gummibärchen oder 100 bis 200 Milliliter Fruchtsaft oder Limonaden. Diese Portionen entsprechen etwa 10 bis 20 Gramm Glukose. Das genügt, um den Blutzuckerspiegel ansteigen zu lassen.

Fetthaltige Nahrungsmittel, wie zum Beispiel Schokolade, eignen sich nicht als rasche Gegenmaßnahme bei einer Unterzuckerung, da der Fettgehalt den Übergang der Kohlenhydrate ins Blut verzögert.

Bei Verdacht auf eine schwere Unterzuckerung, bei der der Patient oder die Patientin aber noch in der Lage ist zu schlucken, ist eine größere Menge Glukose (etwa 30 Gramm) sinnvoll.

Im Anschluss die Blutzuckerwerte engmaschig überprüfen, um einem möglichen erneuten Abfall des Blutzuckers entgegen wirken zu können.

Gut zu wis­sen:

Bei einer Unterzuckerung schnell etwas essen – erst im Anschluss den Blutzucker messen.

Nach den schnell wirkenden Kohlenhydraten können zusätzlich noch langsam ins Blut übergehende Kohlenhydrate gegessen werden, etwa eine Scheibe Brot, um den Zuckerspiegel langfristig stabil zu halten.

  • Ist jemand bei einer Unterzuckerung nicht in der Lage, die Kohlenhydrate selbst einzunehmen, darf ihr oder ihm nichts eingeflößt werden, da dies versehentlich in die Atemwege gelangen könnte.
  • Es droht Erstickungsgefahr.
  • Stattdessen den Notdienst rufen (112).
  • Dieser kann eine Glukoselösung in die Vene verabreichen, um die Werte wieder zu stabilisieren.

Alternativ können auch Angehörige dem Patienten oder der Patientin eine Notfallspritze (Glukagon) spritzen. Den Umgang mit einem Glukagon-Spritzenset sollten sie sich nach Möglichkeit vorab einmal zeigen lassen, damit sie im Notfall richtig handeln können. Glukagon ist ein Gegenspieler von Insulin. Das Hormon fördert die Freisetzung von Glukose aus den Reserven des Körpers in die Blutbahnen. Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung finden Sie unten. Neuerdings ist das Glukagon-Notfallset auch als Nasenspray erhältlich.

Unterzuckerungen vermeiden

Ursachen erkennen: Immer nach dem Schwimmen, oder an Wochenendtagen, an denen nicht zu Mittag gegessen wird – Unterzuckerungen entstehen oft in typischen Situationen. Es hilft, für sich zu erkennen, in welchen Momenten das bei einem der Fall ist. So lässt sich rechtzeitig gegensteuern.

Therapie anpassen: Der Umstieg auf ein anderes Insulinpräparat oder ein anderes Spritzschema kann dazu beitragen, dass Unterzuckerungen seltener auftreten. Betroffene sollten über entsprechende Möglichkeiten mit dem Arzt oder der Ärztin sprechen.

Technik einsetzen: Geräte zur kontinuierlichen Glukosemessung (CGM) und Insulinpumpen können helfen, abfallende Glukosewerte und Unterzuckerungen rechtzeitig zu erkennen und die Häufigkeit von Unterzuckerungen zu verringern. Diese Hilfsmittel bekommen Patientinnen und Patienten in bestimmten Fällen von der Krankenversicherung erstattet. Erfahren Sie hier mehr zum Blutzuckermessen.

Hypo-Wahrnehmungstraining besuchen: Vor allem bei langjähriger Diabetes-Dauer und häufigen Unterzuckerungen können die typischen Symptome erst bei sehr niedrigen Blutzuckerwerten auftreten oder ganz fehlen. Bei einer solchen Hypoglykämie-Wahrnehmungsstörung kann ein Hypo-Wahrnehmungstraining helfen, die Signale des Körpers bei Unterzuckerungen wieder wahrzunehmen und den Blick für entsprechende Situationen zu schulen. Die Kurse finden in Kliniken oder Diabetes-Zentren statt. Sprechen Sie am besten den behandelnden Diabetologen oder die behandelnde Diabetologin auf Kurse in Ihrer Nähe an.

Umfeld einbeziehen: Angehörige können erste Anzeichen einer Unterzuckerung wie Unruhe oder Gesichtsblässe oft vor dem Betroffenen selbst wahrnehmen. Menschen mit Typ-1-Diabetes sollten deswegen mit ihrem Umfeld besprechen, welche Symptome eine Unterzuckerung verursacht und wie sie im Notfall unterstützen können.

  • Kappe von Nadel und Flasche entfernen. Spritze mit dem Lösungsmittel nehmen und in die Flasche mit dem Glukagonpulver spritzen.
  • Anschließend das Fläschchen ein paar Mal schwenken, bis das Pulver sich in der Flüssigkeit aufgelöst hat. Dabei die Spritze nicht aus der Flasche herausziehen.
  • Nun den Kolben der Spritze nach oben schieben, um die Flüssigkeit aufzuziehen.
  • Mit 2 Fingern eine Hautfalte an Oberarm oder Oberschenkel bilden und in diese die Spritze senkrecht leicht einstechen. Flüssigkeit spritzen. Glukagon muss unter die Haut oder in den Muskel gespritzt werden, um zu wirken.

Unterzuckerungen können auch nachts im Schlaf auftreten. Werden sie nicht bemerkt, können am nächsten Morgen Müdigkeit, Abgeschlagenheit oder Kopfschmerzen auftreten. Aufgrund einer körpereigenen Gegenregulation und Zuckerausschüttung der Leber infolge von Stresshormonen kann der Blutzuckerwert am Morgen nach einer nächtlichen Unterzuckerung stark erhöht sein. Dieses Phänomen heißt Somogyi-Effekt. Aber auch niedrige Blutzuckerwerte nach dem Aufwachen können Anzeichen einer nächtlichen Unterzuckerung sein.

Wer dem Verdacht auf Zuckertiefs während des Schlafs nachgehen möchte, kann nachts zwischen 2:00 und 3:00 Uhr den Blutzucker messen. Auch Messsysteme zur kontinuierlichen Glukosemessung (CGM) können hilfreich sein, um unbemerkte nächtliche Unterzuckerungen festzustellen.

Bei einer Neigung zu nächtlichen Unterzuckerungen können folgende Maßnahmen sinnvoll sein:

  • Mit leicht erhöhten Werten zu Bett gehen oder einen Snack vor dem Schlafengehen zu sich nehmen.
  • Langsam wirkende Kohlenhydrate zum Abendessen zu sich nehmen (zum Beispiel Vollkornprodukte).
  • Erhöhte Werte am Abend nur vorsichtig korrigieren.
  • Änderung der Insulindosis (nach Rücksprache mit dem Arzt oder der Ärztin).
  • Umstellung der Insulintherapie (nach Absprache mit dem Arzt oder der Ärztin).

Beim Autofahren ist Konzentration gefragt. Am Steuer können Unterzuckerungen besonders gefährlich sein. Gerade bei einer bekannten Anfälligkeit für Hypoglykämien sollten Sie deswegen auf ein paar Vorsichtsmaßnahmen im Straßenverkehr achten:

  • Vor der Fahrt den Blutzucker messen. Sind die Werte zu niedrig, schnelle Kohlenhydrate essen. Fahren Sie erst dann los, wenn der Blutzuckerspiegel in Ordnung ist.
  • Dokumentation der Blutzuckerwerte und der Behandlungsmaßnahmen.
  • Schnelle Kohlenhydrate für Notfälle im Auto dabei haben. Bei Anzeichen einer beginnenden Unterzuckerung die Fahrt unterbrechen und etwas essen. Erst weiterfahren, wenn der Blutzucker gestiegen ist.

Lesen Sie hier mehr zu Diabetes und Straßenverkehr.

Überzuckerung: Was ist eine Ketoazidose?

Die Ketoazidose ist eine schwere Stoffwechselentgleisung. Sie ist ein echter Notfall, der schnelles Handeln erfordert. Sie entsteht als Folge eines relativen oder absoluten Insulinmangels und geht mit erhöhten Blutzuckerwerten von über 250 mg/dl (13,9 mmol/l) einher.

Eine Ketoazidose trifft hauptsächlich Menschen mit Typ-1-Diabetes, da bei ihnen die Bauchspeicheldrüse kein oder nur sehr wenig Insulin herstellt. Das Hormon ist im Körper unerlässlich, um Traubenzucker (Glukose) aus dem Blut in die Zellen einzuschleusen, um daraus Energie gewinnen zu können.

Fehlt Insulin, gelangt kein Zucker in die Zellen. Der Zucker in der Blutbahn steigt stark an, fehlt jedoch in den Körperzellen. Diese müssen ihren Energiebedarf deswegen anderweitig abdecken. Der Körper baut dazu vermehrt Fettreserven ab. Bei diesem Vorgang entstehen saure Ketonkörper und gelangen ins Blut. Ein Teil der Ketonkörper wird mit dem Harn ausgeschieden und über die Atemluft abgeatmet, der Atem riecht dann süßlich. Durch den stark erhöhten Blutzucker kommt es zu vermehrtem Harndrang. Das führt zu einem großen Verlust an Flüssigkeit und Elektrolyten. Austrocknung und Kreislaufversagen drohen. Deshalb braucht eine Patientin oder ein Patient mit Ketoazidose zur Behandlung vor allem eine große Menge an Flüssigkeit. Ohne Gegenmaßnahmen führt eine Ketoazidose zu einem diabetischen Koma und ist lebensgefährlich.

Was sind die Ursachen einer Ketoazidose?

Eine Ketoazidose entsteht, wenn kein oder fast gar kein Insulin vorhanden ist. Dafür kann es bei Menschen mit Typ-1-Diabetes mehrere Gründe geben:

  • Der Diabetes ist bislang noch nicht bekannt (Neumanifestation)
  • Vergessen, Insulin zu spritzen
  • Erhöhter Insulinbedarf infolge eines Infekts
  • Insulin wirkt nicht mehr ausreichend (zum Beispiel durch starke Hitze)
  • Defekt des Insulinpens, der Pennadel oder Insulinpumpe
  • Medikamente, die die Insulinempfindlichkeit verringern (zum Beispiel Glukokortikoide) oder den Blutzuckerspiegel stark ansteigen lassen

Warnzeichen: Wie erkenne ich eine Ketoazidose?

Eine Ketoazidose geht in aller Regel mit stark erhöhten Blutzuckerwerten über 250 mg/dl (13,9 mmol/l) einher. Diese sind der wichtigste Warnhinweis auf die Stoffwechselentgleisung. Zudem können weitere Symptome als Folge des Flüssigkeitsverlusts und der veränderten Stoffwechsellage auftreten:

  • Starker Durst
  • Erhöhter Harndrang
  • Trockener Mund
  • Appetitlosigkeit
  • Übelkeit und Erbrechen, Bauchschmerzen (wird oft als „Blinddarmentzündung“ missinterpretiert)
  • Süßlicher, nach verdorbenem Obst riechender Atem infolge der Ketonkörper
  • vertiefte Atmung (sogenannte Kußmaul-Atmung)
  • Krämpfe in den Muskeln
  • Müdigkeit, Abgeschlagenheit
  • Sehstörungen
  • Bewusstseinsveränderungen
  • Blutdruckabfall

Richtig handeln bei einer Ketoazidose

Stellen Menschen mit Typ-1-Diabetes die oben genannten Symptome bei sich fest, sollten sie sofort den Blutzucker messen. Liegt der Wert über 250 mg/dl (13,9 mmol/l), steht ein Test auf Ketonkörper an. Dieser erfolgt mittels eines Teststreifens im Urin oder eines Blutteststreifens, der für manche Blutzuckermessgeräte erhältlich ist. Je nach Menge an Azetat (einem Keton) im Harn verfärbt sich der Teststreifen von hell bis dunkel. Bei Blutketonteststreifen wird ein Zahlenwert angezeigt.

Fällt das Ergebnis des Tests positiv aus, sind schnelle Gegenmaßnahmen erforderlich. Dies sollten Menschen mit Typ-1-Diabetes vorab einmal mit ihrem Arzt oder ihrer Ärztin besprochen haben, um im Notfall richtig handeln zu können.

Zu Beginn einer Ketoazidose können geschulte Patientinnen und Patienten sich in der Regel selbst helfen. Wichtig ist nun, viel zu trinken und schnell wirkendes Insulin zu spritzen. In kurzen Abständen den Blutzucker kontrollieren und körperliche Anstrengungen meiden. Bessern sich weder Werte noch Symptome innerhalb weniger Stunden, sollte eine Ärztin oder ein Arzt gerufen werden. Auch bei starkem Unwohlsein oder Unsicherheit bezüglich der Behandlung sollte stets ärztliche Hilfe gesucht werden.

Gut zu wissen:

Rüsten Sie sich für Notfälle: Klären Sie mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin, wie Sie sich im Falle einer Ketoazidose verhalten sollten!

Hyperglykämisches hyperosmolares Syndrom: Stoffwechselentgleisung bei Typ-2-Diabetes

Auch bei Menschen mit Typ-2-Diabetes kann der Blutzuckerspiegel stark nach oben ausreißen, wenn kaum noch Insulin vorhanden oder wirksam ist. Da bei ihnen die Bauchspeicheldrüse aber in der Regel immer zumindest kleine Mengen an Insulin ausschüttet, kommt es bei ihnen nicht zu einer massiven Bildung an Ketonkörpern, wie bei der Ketoazidose.

Sehr gefährlich ist diese Stoffwechselentgleisung dennoch. Betroffene haben zum Teil extreme Blutzuckerwerte über 600 mg/dl (33,3 mmol/l) oder gar 1000 mg/dl (55,5 mmol/l). Zudem leiden sie unter starkem Flüssigkeitsmangel. Typische Anzeichen sind:

  • Starker Durst
  • häufiges Wasserlassen
  • Müdigkeit
  • Herzrasen
  • Niedriger Blutdruck
  • Schwindel
  • Schwächeanfälle
  • Krämpfe

Ohne Gegenmaßnahmen droht ein hyperosmolares Koma. Gefährdet sind vor allem ältere Menschen mit Typ-2-Diabetes. Auslöser können wie bei der Ketoazidose Infektionen, Durchfall und Erbrechen sowie bestimmte Medikamente (vor allem Diuretika und Glukokortikoide) oder akute Herz-Kreislauf-Ereignisse, wie ein Herzinfarkt oder Schlaganfall, sein. Betroffene sollten im Zweifelsfall nicht zögern, den Notarzt zu rufen.

Quellen:

Bundesärztekammer et al.: Nationale Versorgungsleitlinie Therapie des Typ-2-Diabetes. Langfassung. 1. Auflage. Version 4. 2014 (Gültigkeit abgelaufen, in Überarbeitung)
Deutsche Diabetes Gesellschaft: S3-Leitlinie Therapie des Typ-1-Diabetes. 2. Auflage. 2018
Ebert, O. et al.: Diabetes und Straßenverkehr. In: Diabetologie, 2018, 13: S253-S267
Häring, H.-U. et al. (2011): Diabetologie in Klinik und Praxis. 6. Auflage. Georg Thieme Verlag KG, ISBN: 9783135128061
Hien, P. et al. (2013): Diabetes Handbuch. 7. Auflage. Springer-Verlag, Heidelberg, ISBN: 978-3-642-34944-7
Nyenwe, E. A. et al.: The evolution of diabetic ketoacidosis: An update of its etiology, pathogenesis and management. In: Metabolism, 2016, 65: 507-521
Stand: 03.11.2019