Infekte: Was ist bei Diabetes zu beachten?

Wissenschaftliche Unterstützung: PD Dr. Martin Füchtenbusch

Menschen mit Typ-1- oder Typ-2-Diabetes haben gegenüber Stoffwechselgesunden ein leicht erhöhtes Risiko für verschiedene Infektionskrankheiten, die durch Viren oder Bakterien ausgelöst werden. Dies ist insbesondere der Fall, wenn das Diabetesmanagement nicht gut ist und die Betroffenen dauerhaft zu hohe Blutzuckerwerte haben. Dies wirkt sich negativ auf das Immunsystem aus: Die Anfälligkeit für Krankheiten steigt.

Infekte wie Erkältungen oder Grippe können bei Menschen mit Diabetes den Stoffwechsel durcheinanderbringen. Bereits ein Schnupfen kann den Blutzucker leicht ansteigen lassen. Wenn das körpereigene Abwehrsystem Erreger wie Bakterien oder Viren erkennt, werden Stresshormone freigesetzt. Dazu zählt Adrenalin. Es sorgt dafür, dass die Leber vermehrt Glukose (Zucker) abgibt. In der Folge steigt der Blutzuckerspiegel.

Daneben kann es auch zur Unterzuckerung (Hypoglykämie) kommen: Bei Infekten wie Erbrechen oder Durchfall werden möglicherweise zu wenig Kohlenhydrate aufgenommen. Der Blutzucker sinkt, was durch Insulin oder blutzuckersenkende Tabletten noch verstärkt wird. Bei bakteriellen Infektionen kann eine Antibiotika-Einnahme zu Wechselwirkungen mit den Diabetes-Medikamenten führen. Dies kann in der Folge ebenfalls zu einer Unterzuckerung führen.

Bei Infekten sollten Menschen mit Diabetes ihren Blutzucker engmaschig kontrollieren. Fachleute empfehlen, den Blutzucker etwa alle 3 Stunden zu messen. Es kann sein, dass sie die Dosis ihrer Medikamente in Absprache mit der behandelnden ärztlichen Fachkraft anpassen müssen.

Die Ständige Impfkommission des Robert Koch-Instituts (STIKO) empfiehlt Menschen mit Typ-1- und Typ-2-Diabetes, sich jährlich rechtzeitig gegen Grippe impfen zu lassen. In der Regel werden die Kosten für die Grippeimpfung bei Diabetes von der Krankenkasse übernommen.

Wie kann ich In­fek­ten vor­beu­gen?

Um Infekten vorzubeugen, achten Sie insbesondere auf Hygienemaßnahmen. Bakterien oder Viren werden oft durch eine sogenannte Tröpfcheninfektion übertragen. Dabei gibt eine erkrankte Person kleinste erregerhaltige Tröpfchen beim Sprechen, Niesen oder Husten ab.

Folgende Tipps können helfen:

  • Waschen Sie regelmäßig gründlich Ihre Hände.
  • Halten Sie sich, wenn möglich, in der Erkältungszeit von Menschenmassen fern.
  • Vermeiden Sie den Kontakt zu Personen mit Atemwegsinfektionen.
  • Lassen Sie sich nicht anhusten oder anniesen.
  • Lüften Sie mehrmals täglich.
  • Stärken Sie Ihr Immunsystem, indem Sie sich ausgewogen ernähren, regelmäßig draußen bewegen und ausreichend schlafen.
  • Trinken Sie ausreichend. So sind die Schleimhäute gut durchblutet und widerstandsfähiger gegen Krankheitserreger.
  • Lassen Sie sich gegen Grippe impfen.

Gut zu wissen:

Bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) finden Sie weitere Informationen zu Hygienetipps im Alltag unter www.infektionsschutz.de.

Wichtig ist es, die Blutzuckerwerte während eines Infekts möglichst gut im Griff zu behalten. Bei schweren Infekten kann es für Menschen mit Typ-2-Diabetes nötig werden, von Tabletten auf Insulin umzusteigen. Sie sollten die Ärztin oder den Arzt kontaktieren und eine eventuell notwendige Umstellung der Therapie besprechen. Dies gilt umso mehr, wenn noch wenig Erfahrung mit Fieber und dessen Wirkung auf den eigenen Blutzucker besteht. Im Normalfall lässt Fieber den Blutzucker ansteigen.

Tabletten mit dem Wirkstoff Metformin können bei schweren Infekten eine gefährliche Übersäuerung auslösen. Die Behandlung mit Metformin sollte dann unterbrochen und das weitere Vorgehen mit der ärztlichen Fachkraft besprochen werden.

Bei Magen-Darm-Infekten gehen durch Durchfall und Erbrechen Kohlenhydrate verloren, eine Unterzuckerung droht. Wer blutzuckersenkende Tabletten einnimmt, sollte möglicherweise die Dosis verringern oder sie weglassen. Auch hier sollte der behandelnde Arzt oder die behandelnde Ärztin beraten.

Insbesondere erhöhen Sulfonylharnstoffe und Glinide das Unterzuckerungsrisiko. Diese blutzuckersenkenden Medikamente steigen die Insulinausschüttung unabhängig von der Nahrungsaufnahme. Wer aufgrund des Infekts keinen Hunger hat oder nichts bei sich behält, sollte die weitere Behandlung mit der behandelnden Diabetes-Fachkraft abstimmen und die Tabletten gegebenenfalls weglassen.

Bei Menschen mit Typ-1- oder Typ-2-Diabetes, die Insulin spritzen müssen, können die Blutzuckerwerte bei einem Infekt besonders stark schwanken. Fieber erhöht den Insulinbedarf. Wie viel Insulin dann zusätzlich gespritzt werden muss, hängt vom Einzelfall ab. Wer noch nicht lange mit Insulin behandelt wird oder ein Mischinsulin spritzt, sollte die Veränderung der Insulinmenge mit seiner Diabetologin oder seinem Diabetologen besprechen. Der Blutzucker muss besonders engmaschig kontrolliert werden.

Wenn der Blutzuckerwert über 250 mg/dl (13,9 mmol/l) steigt, ist ein Urintest auf Aceton (Ketonkörper) nötig. Der Körper kann dann gefährlich übersäuern. Es kann zur Ketoazidose, einer schweren Stoffwechselentgleisung, kommen. Erbrechen und Bauchschmerzen können mögliche Anzeichen sein. Sie können im Falle eines Infekts allerdings leicht mit den Krankheitssymptomen verwechselt werden. Der typische Acetongeruch aus dem Mund, es riecht nach Nagellack, kann ein weiterer Hinweis auf eine drohende Stoffwechselentgleisung sein. Ein von der Diabetologin oder dem Diabetologen erstellter Korrekturplan legt fest, was im Falle einer Ketoazidose zu tun ist.

  • Als Faustregel bei Fieber ohne Durchfall oder Erbrechen gilt, die Menge des Basal- und Mahlzeiteninsulins pro Grad Fieber über 37,5 Grad Celsius um 10 bis 20 Prozent zu erhöhen. Da diese Methode eher ungenau ist, gilt auch hier: Eine mögliche Zusatzmenge Insulin sollte man dem gemessenen Blutzucker anpassen.
     
  • Bei Durchfall oder Erbrechen braucht der Körper möglicherweise weniger Insulin. Es kann nötig sein, die Dosis des Basalinsulins zu verringern. Dieses darf aber nie ganz weggelassen werden. Damit klar ist, wie viel Nahrung im Körper bleibt, ist es besser, das Mahlzeiteninsulin erst nach dem Essen zu spritzen.
    Erhöhte Blutzuckerwerte lassen sich mit schnellwirkendem (Mahlzeiten-)Insulin senken. Wer weder feste noch flüssige Nahrung bei sich behalten kann, einen zu hohen Blutzuckerspiegel oder Ketonkörper im Urin hat, sollte ein Krankenhaus aufsuchen. Es kann sein, dass der Körper dann Flüssigkeit über die Vene braucht. Dies gilt insbesondere für Kinder.

Hier erfahren Sie mehr zur Ketoazidose!

Quellen:

Deutsche Diabetes Gesellschaft: Nationale Versorgungsleitlinie Therapie des Typ-2-Diabetes.August 2013. Zuletzt geändert: November 2014. 
Landgraf, R. et al.: Therapie des Typ-2-Diabetes. In: Diabetologie, 2017; 12: S141-S156
Deutsche Diabetes Gesellschaft: Therapie des Typ-1-Diabetes. S3-Leitlinie. 2. Auflage, 2018
Deutsche Diabetes Gesellschaft und Arbeitsgemeinschaft für Pädiatrische Diabetologie: Diagnostik, Therapie und Verlaufskontrolle des Diabetes mellitus im Kindes- und Jugendalter. S3-Leitlinie.2015
Robert Koch-Institut: Saisonale Influenzaimpfung: Häufig gestellte Fragen und Antworten. (Letzter Abruf: 03.12.2019)
 
Stand:  03.11.2019