Mit Diabetes im Krankenhaus: Was muss ich wissen?

Wissenschaftliche Unterstützung: PD Dr. Martin Füchtenbusch

Bei einem geplanten Krankenhausaufenthalt sollten Menschen mit Diabetes, wenn möglich, eine Klinik auswählen, die eine diabetologische Mitbetreuung sicherstellen kann.

Sonst kann es passieren, dass sich die Stoffwechseleinstellung während des Krankenhausaufenthaltes verschlechtert. Die Blutzuckerwerte sollten immer im Blick bleiben. Nicht an jeder Klinik gibt es ein Diabetes-Team, das den Blutzucker regelmäßig misst und die notwendige Behandlung berücksichtigt.

Menschen mit Typ-1- oder Typ-2-Diabetes sollten deswegen vor der Einweisung mit ihrem behandelnden Facharzt oder ihrer behandelnden Fachärztin eine geeignete Klinik auswählen. Im besten Fall verfügt das ausgewählte Krankenhaus über eine Abteilung für Innere Medizin und Diabetologie.

Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) zertifiziert seit 2013 Kliniken mit dem Zertifikat „Klinik für Diabetespatienten geeignet (DDG)“. Sie können über die Internetseite der Fachgesellschaft gesucht werden.

Ein Aufenthalt in einer Klinik mit einer möglicherweise anstehenden Operation ist eine Ausnahmesituation. Stress treibt den Blutzucker in die Höhe, da unter anderem Adrenalin laufend Zucker aus der Leber freisetzt, um Energie bereitzustellen. Zu hohe Blutzuckerwerte führen schneller zu Infektionen; und Wunden nach einer Operation heilen schlechter. Auch darf vor einem Eingriff länger nichts gegessen werden, was die Stoffwechselkontrolle oft zusätzlich erschwert. Die richtige Dosierung von blutzuckersenkenden Medikamenten, besonders auch von Insulin, muss daher gut überwacht werden.

Zusammen mit der behandelnden ärztlichen Fachkraft müssen Patientin und Patient auch auf alle eingenommenen Medikamente achten. Auch Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten, die Patientinnen und Patienten im Krankenhaus eventuell zusätzlich einnehmen müssen, sollten sie mit der Ärztin oder dem Arzt abklären.

Besprechen Sie einen geplanten Krankenhausaufenthalt mit Ihrer behandelnden ärztlichen Fachkraft. Ihr Blutzucker-Langzeitwert (HbA1c-Wert) sollte vor einer Operation unter 8,5 Prozent (69 mmol/l) liegen, idealerweise aber einer normalen Einstellung entsprechen oder Ihrem individuellen Therapieziel. Ist dieser Wert zu hoch, fragen Sie Ihr behandelndes Diabetes-Team, wie Sie die Behandlung verbessern können.

Klären Sie unter anderem folgende weitere Fragen:

  • Informieren Sie sich, ob die Behandlung mit Insulin oder Tabletten zur Blutzuckerkontrolle für die Zeit im Krankenhaus angepasst werden muss.
  • Besprechen Sie, ob Medikamente zur Diabetes-Behandlung vor einem Eingriff oder bestimmten Untersuchungen vollständig abgesetzt werden müssen.
  • Klären Sie, ob Sie die Insulinpumpe während einer Operation abnehmen müssen.
  • Besprechen Sie, ob Sie im Falle einer drohenden Unterzuckerung wie gewohnt beispielsweise Traubenzucker essen dürfen.
  • Informieren Sie beim Aufnahmegespräch das Klinikpersonal über Ihre bisherige Diabetes-Behandlung: Welche Medikamente nehmen Sie ein? Wie oft messen Sie Ihren Blutzucker? Leiden Sie unter Folgeschäden des Diabetes oder anderen Krankheiten?

Gut zu wissen:

Die Deutsche Diabetes Hilfe - diabetesDE und DDH-M geben in einer Broschüre Informationen und Tipps, mit denen Menschen mit Diabetes einen geplanten Krankenhausaufenthalt vorbereiten und mögliche Risiken mindern können.

Checkliste: Was muss bei Diabetes mit ins Kran­ken­haus?

Sollten Sie einmal ungeplant ins Krankenhaus müssen, ist es sinnvoll, eine gepackte Notfalltasche zuhause zu haben. 

Eine Checkliste kann ebenfalls hilfreich sein. Was unter anderem mit ins Krankenhaus sollte:

  • Eigene Medikamente und Medikamentenplan (Aufstellung aller Medikamente, die Sie gerade nehmen, auch rezeptfreie Medikamente)
  • Standardausrüstung mit Blutzuckermessgerät, Teststreifen, Kanülen und weiteres
  • Bisherige Befunde Ihrer behandelnden ärztlichen Fachkräfte, Krankenhausüberweisung, Versichertenkarte
  • Gesundheits-Pass Diabetes
  • Blutzucker-Tagebuch
  • Name, Adresse und Telefonnummer Ihrer behandelnden Ärztin oder Ihres behandelnden Arztes
  • Persönliche Dinge, wie Wäsche, Hausschuhe, Schlafanzug, Hygieneartikel und weiteres

Im besten Falle plant die Ärztin oder der Arzt den Eingriff für den Morgen ein. So müssen Menschen mit Diabetes nicht zu lange nüchtern bleiben und auf ihre Medikamente verzichten. 

Der Blutzucker sollte regelmäßig überwacht werden. Vor, während und nach der Operation sollte der Blutzuckerwert im Bereich von 140 bis 180 mg/dl (7,8 bis 10,0 mmol/l) liegen.

Bei einem längeren Eingriff erhalten Patientinnen und Patienten je nach Bedarf eine Insulin- und Traubenzuckerinfusion. So kann der Blutzucker gesteuert werden.

Folgendes ist bei blutzuckersenkenden Medikamenten zu beachten. Letztendlich entscheidet die ärztliche Fachkraft über das genaue Vorgehen:

    Gut zu wissen:

    Menschen mit Typ-2-Diabetes müssen beispielsweise Tabletten, wie Metformin, 48 Stunden vor der OP absetzen.

    • Menschen mit Typ-2-Diabetes, die Metformin einnehmen, müssen das Medikament 48 Stunden vor der Operation oder vor einer Untersuchung mit Kontrastmittel (beispielsweise bei bildgebenden Verfahren wie Röntgen) absetzen.
    • Andere blutzuckersenkende Tabletten, wie Sulfonylharnstoffe, Glinide oder Glitazone, sollten Sie das letzte Mal am Vorabend der geplanten Operation mit der letzten Mahlzeit einnehmen.
    • Eventuell muss vorübergehend auf Insulin umgestellt werden. Das hängt vom Einzelfall ab.
    • Bei Menschen mit insulinpflichtigem Diabetes, wird die Behandlung je nach Art der Insulintherapie sowie Dauer und Schwere des Eingriffs angepasst. Bis zum Tag vor der Operation bleiben sie bei ihrer gewohnten Behandlung.

    Wie wird der Diabetes in der Nüchternphase vor und während der Operation kontrolliert?

    Der Blutzucker wird nach der Länge der sogenannten Nüchternphase gesteuert. Das ist die Zeit zwischen der letzten Mahlzeit vor und der 1. Mahlzeit nach der Operation.

    1. Untersuchungen und Operationen mit kürzerer Nüchternphase (4 bis 6 Stunden):

    • Mit der 1. Mahlzeit nach der Operation nehmen Sie die abgesetzten blutzuckersenkenden Medikamente wieder ein.
       
    • Werden Sie mit einem Mischinsulin behandelt, also mit einer Kombination aus schnellwirksamen und Verzögerungsinsulin (konventionelle Insulintherapie), spritzen Sie vor der Untersuchung oder Operation nur die Hälfte. Die andere Hälfte wird mit der 1. Mahlzeit nach dem Eingriff gespritzt.
       
    • Bei einer intensivierten Insulintherapie spritzen Sie das Basisinsulin wie gewohnt. Bei der Insulinpumpentherapie kann die Basalrate ebenfalls unverändert bleiben. Messen Sie Ihren Blutzucker häufig. Korrigieren Sie, wenn nötig, mit einem schnellwirksamen Insulin. Nach einem Eingriff kann es zu einem erhöhten Insulinbedarf kommen.

    2. Operationen mit mittlerer und langer Nüchternphase (6 bis 24 Stunden und mehr als 24 Stunden):

    • Während der Operation wird der Blutzucker mit einer Glukose-Insulin-Infusion behandelt (genauer mit einer Glukose-Insulin-Kalium-Infusion, GIK). Die Blutzuckerwerte werden zunächst alle 30 Minuten, dann in 2 Stunden-Abständen gemessen.
       
    • Bei langen Nüchternphasen (mehr als 24 Stunden) wird anfangs wie bei mittleren Nüchternphasen behandelt. Im weiteren Verlauf wird jedoch künstlich ernährt.

    Quellen:

    Deutsche Diabetes Gesellschaft: Positionspapier der Deutschen Diabetes Gesellschaft zur Therapie des Diabetes mellitus im Krankenhaus. 2016
    Bundesärztekammer (BÄK), Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF): Nationale Versorgungsleitlinie Therapie des Typ-2-Diabetes, 1. Auflage, Version 4, 2014
    Bundesärztekammer (BÄK), Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF): Patientenleitlinie zur Nationalen Versorgungsleitlinie Therapie des Typ-2-Diabetes, 1. Auflage. Version 1, 2015
    Deutsche Diabetes Gesellschaft: S3-Leitlinie Therapie des Typ-1-Diabetes. 2. Auflage, 2018
    Deutsche Diabetes-Hilfe: Mit Diabetes mit Krankenhaus: Was Sie bei einem Krankenhausaufenthalt beachten sollten, 2014

    Stand: 03.11.2019