Diabetes im Urlaub und auf Reisen

Wissenschaftliche Unterstützung: Prof. Dr. Rüdiger Landgraf

Eine Abwechslung zum Alltag, Erholung, andere Länder und Kulturen kennenlernen: Für viele Menschen sind die Urlaubswochen die schönste Zeit des Jahres. Zu einer entspannten Reise gehört eine gute und längerfristige Planung – das gilt umso mehr für Menschen mit chronischen Krankheiten wie Diabetes. Zeitverschiebung, Klimaveränderung, ungewohnte Speisen und ein anderer Tagesrhythmus können zu Schwankungen des Blutzuckerspiegels und zu diabetesbedingten Komplikationen führen. Bereits vorhandene Krankheiten können sich unter Umständen verschlechtern. Dennoch ist dies meist kein Grund für Menschen mit Diabetes bei entsprechender medizinischer und logistischer Vorbereitung, auf Urlaubsreisen zu verzichten.

Dia­be­tes und Rei­sen: Was muss ins Ge­päck?

Die eigene Ausrüstung und Medikamente gehören selbstverständlich mit ins Reisegepäck. Zur Sicherheit empfiehlt es sich, eine größere Menge von allem mitzunehmen. Denken Sie auch an die richtige Lagerung des Medikamentenvorrats. Sowohl Insulin als auch die Blutzuckerteststreifen sind temperaturempfindlich.

  • Für Insulin und Diabetesmedikamente als Injektionslösung (GLP-1-Rezeptoragonisten) liegt der empfohlene Temperaturbereich zur Lagerung zwischen +2 und +8 Grad Celsius. Sie sollten zudem vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt werden.
  • Es gibt spezielle Kühltaschen für Medikamente zu kaufen. Ansonsten eignen sich vorgekühlte Thermosflaschen, Styroporboxen oder auch feuchte Handtücher, in welche die temperaturempfindlichen Präparate eingewickelt werden können.
  • Vorsicht im Auto: Dort kann es im Sommer richtig heiß werden, vor allem im Kofferraum. Nehmen Sie beim Verlassen des Autos am besten alle Arzneimittel in der Kühltasche mit.

Gut zu wissen:

Nehmen Sie am besten die doppelte Menge Ihres Urlaubsbedarfs an Medikamenten mit, um bei unvorhergesehenen Verlusten abgesichert zu sein.

  • Eingefrorenes Insulin wird unwirksam! Auch kristallisiertes oder in der Spritzampulle verfärbtes Insulin ist unwirksam. Klassische Kühlboxen sind daher nur eingeschränkt geeignet: Dort sollten Insulin und andere Injektionslösungen nicht zu nahe an den Kühlakkus gelagert werden, um ein Einfrieren zu verhindern.
  • Im Winterurlaub, bei sehr niedrigen Außentemperaturen, können Sie Kälteschäden vermeiden, wenn Sie das Insulin so nahe wie möglich am Körper tragen (zum Beispiel in einer Bauchgurttasche oder der Anorak-Innentasche).
  • Auch die Messgeräte zur Blutzuckerselbstkontrolle messen nur in einem bestimmten Temperaturbereich zuverlässig (zum Beispiel +5 bis +40 Grad Celsius, Herstellerangaben beachten).
  • Auf Flugreisen transportieren Sie am besten alle Diabetes-Utensilien (Insulin, weitere Arzneimittel, Teststreifen, Blutzuckermessgerät und gegebenenfalls Blutdruckmessgerät) im Handgepäck. Im Frachtraum des Flugzeuges herrschen häufig sehr niedrige Temperaturen, so dass die Gefahr des Einfrierens besteht. Zudem könnte es sein, dass Ihr Gepäck verspätet am Zielort ankommt.
  • Lassen Sie sich den Bedarf der mitgeführten Medikamente und Hilfsmittel von Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt bestätigen: In unserem Downloadbereich oder auch beim ADAC und der Deutschen Diabetes Hilfe – DiabetesDE finden Sie Muster einer solchen ärztlichen Bescheinigung.

Gut zu wissen:

Denken Sie daran, sich eine umfangreiche ärztliche Bescheinigung über Ihre benötigten Medikamente und medizinischen Geräte ausstellen zu lassen!

Daneben sind weitere Dokumente hilfreich, wenn Sie ins Ausland fahren:

  • Ein internationaler Diabetes-Pass in mehreren Sprachen. Er enthält alle wichtigen Gesundheitsdaten und bietet damit auch im Notfall dem medizinischen Personal eine gute Übersicht über Ihren Gesundheitszustand. Ein Muster-Exemplar finden Sie auf der Seite der Deutschen Diabetes Hilfe DiabetesDE.
  • Ein Notfallausweis im handlichen Format, so dass er in das Portemonnaie passt. Er ist mehrsprachig verfasst und informiert Ersthelfende sowie Ärztinnen oder Ärzte im Notfall über eine bestehende Diabetes-Erkrankung und die eigenommenen Medikamente.
  • Vergessen Sie auch Ihren Impfpass nicht.

Bitte informieren Sie sich vor der Reise, welche speziellen Dokumente für Ihr Reiseland erforderlich sind. Hierbei können Ihnen Ihr Reisebüro, die Konsulate oder Botschaften der Länder oder auch das Auswärtige Amt weiterhelfen.

Diabetes: Dies sollten Sie vor dem Urlaub abklären

Es ist sinnvoll, sich bei einer Ärztin oder einem Arzt über die im Urlaubsland gängigen Insulinpräparate zu informieren. Damit weiß man im Notfall, welche Insuline den eigenen am nächsten kommen – schließlich könnte der eigene Vorrat verloren gehen oder gestohlen werden. Die Hausärztin oder der Hausarzt kann vor Reiseantritt bereits ein entsprechendes Rezept ausstellen. Nicht immer ist allerdings gewährleistet, dass ausländische Apotheken dieses auch annehmen. Aus diesem Grund sollte das Rezept nur für den Notfall dienen und nicht den eigentlichen Bedarf ersetzen.

Nicht zuletzt sind verschiedene Impfungen wichtig, abhängig davon, in welches Land man reisen möchte. Diese sollten Menschen mit Diabetes unbedingt rechtzeitig vornehmen lassen, da eine Erkrankung nicht nur das Urlaubserlebnis schmälert, sondern auch gefährlich für die Stoffwechseleinstellung sein kann. Ihre Ärztin beziehungsweise Ihr Arzt oder das regionale Tropeninstitut kann Sie über die empfohlenen Impfungen für Ihr Urlaubsland informieren. Auch die Internetseiten des Auswärtigen Amtes sowie des Robert Koch-Institutes bieten nützliche Informationen zu diesem Thema.

Was tun bei Zeitverschiebung und Diabetes?

Wenn man sich von einer Zeitzone in die andere bewegt, muss man eventuell die tägliche Insulin- oder Medikamentendosis entsprechend anpassen. Dazu ist es notwendig, sich zuerst einmal klar zu machen, ob die Tage länger (Reise nach Westen) oder kürzer (Reise nach Osten) werden. Alle Empfehlungen bezüglich Insulinanpassung sind nur sehr grobe Anhaltspunkte. Sicherer und besser ist es, während der Reise häufig den Blutzucker zu messen und das Insulin und die Insulindosis entsprechend der Nahrungszufuhr und den aktuellen Werten anzupassen. Dies gilt auch bei der Einnahme oraler Antidiabetika bei Menschen mit Typ-2-Diabetes. Wie die Anpassung der Medikation aber im Einzelfall aussieht, sollte vor Reisebeginn mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt abgesprochen werden.

Achtung: Auf Flugreisen kann es passieren, dass Menschen mit Diabetes ihren Insulinpen bei dem Flugpersonal abgeben müssen. Sie bekommen ihn jedoch selbstverständlich ausgehändigt, wenn Sie sich Insulin spritzen müssen. Bei Turbulenzen, Flugausfällen und -verzögerungen ist meist kein Essensservice möglich. Daher unbedingt genügend eigenes Essen und Trinken – vor allem Kohlenhydrate – mitnehmen. Möglichst keinen Alkohol konsumieren. Alkohol wirkt blutzuckersenkend.

Auch Menschen mit Diabetes können natürlich exotische Speisen und landestypische Getränke genießen. Es empfiehlt sich allerdings, sich im Vorfeld über die gängigsten Zutaten der Speisen des Urlaubslandes zu informieren. Dies gelingt jedoch meist nur unzureichend. Daher sollte bei unklaren Speisen häufiger der Blutzucker gemessen werden. Alkohol sollte nur in Maßen und keinesfalls auf nüchternen Magen getrunken werden. Beim Konsum von alkoholhaltigen Getränken sollte man als Ausgleich Kohlenhydrate zu sich nehmen. Alkohol und blutzuckersenkende Medikamente verstärken sich – insbesondere, wenn Sulfonylharnstoffe oder Glinide eingenommen werden oder Insulin gespritzt wird. Auch das häufig verschriebene Diabetes-Medikament Metformin  kann zusammen mit Alkoholgenuss zu schweren, langanhaltenden Unterzuckerungen führen. Daher muss immer auf Unterzuckerungen geachtet werden. Informieren Sie Mitreisende über den Diabetes sowie über die Symptome und insbesondere auch über die Maßnahmen bei einer Unterzuckerung.

Eine Packliste für die Reise finden Sie hier in unserem Download-Bereich.

Es ist für Eltern nicht immer einfach, ihre Kinder in die Selbstständigkeit zu entlassen. Dennoch ist es auch für Kinder mit Typ-1-Diabetes wichtig, an Aktivitäten wie Klassenfahrten oder Reisen mit dem Sportverein teilzunehmen. Jugendliche sollten die Möglichkeit haben, mit Freunden wegzufahren oder Auslandsaufenthalte wahrzunehmen. Je nach Alter des Kindes oder Jugendlichen und dem Grad ihrer oder seiner Selbstständigkeit sind hier unterschiedliche Vorbereitungen zu treffen.

  • Überlegen Sie vor der Reise gemeinsam mit dem Diabetes-Team, welche Aufgaben das Kind ohne Unterstützung durchführen kann und wo es noch Hilfe benötigt.
  • Planen Sie genügend Vorbereitungszeit ein, um Ihr Kind noch ausreichend zu schulen in den Belangen, in denen es vielleicht noch nicht so sicher ist.
  • Überlegen Sie, was nötig ist, um Ihrem Kind eine Teilnahme an der Fahrt zu ermöglichen.
  • Ist eine zusätzliche Betreuungsperson erforderlich?
  • Besprechen Sie mit den Betreuungspersonen, Lehrkräften, Trainerinnen und Trainern oder auch der Schulleitung, was für die tägliche Insulintherapie wichtig ist.
  • Beziehen Sie Ihr Kind in die Vorbereitungen mit ein. Für das Kind muss klar sein, an wen es sich wenden kann, wenn es Unterstützung braucht. 

Planen Jugendliche einen längeren Aufenthalt in einem fremden Land, sollten Sie sich bei der Krankenkasse informieren, wie die Versorgung mit Medikamenten und Hilfsmitteln, zum Beispiel Pumpenzubehör und Messstreifen, im Gastland erfolgen und erstattet werden kann.

Quellen:

Deutsche Diabetes Stiftung: Die richtige Reisevorbereitung: Unterwegs mit Diabetes. (Letzter Abruf: 8.7.2019)
Deutsche Diabetes Stiftung: Wenn Kinder und Jugendliche mit Typ-1-Diabetes reisen: Ein Wegweiser für Eltern und Betreuer. (Letzter Abruf: 8.7.2019)
Landgraf, R. et al.: Reisen mit Diabetes im Gepäck. Was bei der Vorbereitung und im Urlaub zu beachten ist. Springer Verlag, 2013, 10: 55-62
DiabetesDE: www.diabetesde.org/reisen-menschen-diabetes (Letzter Abruf: 8.7.2019)
Stand: 07.11.2019