Diabetes und Leber

Wissenschaftliche Unterstützung: Dr. Sofiya Gancheva

Die Leber ist das zentrale Organ des menschlichen Stoffwechsels. Durch sie können wir unter anderem Nährstoffe aufnehmen und unser Blut von giftigen Substanzen befreien.

Stoffwechselstörungen, wie Adipositas oder Typ-2-Diabetes, können die Leber schädigen. Aber Erkrankungen der Leber können auch andere Ursachen haben, wie zum Beispiel Autoimmunerkrankungen, Entzündungen (Hepatitis), Alkohol oder Medikamente.

Wie ent­steht eine Fett­le­ber und was sind ihre Fol­gen?

Unter den verschiedenen Lebererkrankungen steht besonders die Fettlebererkrankung in einem engen Bezug zur Diabetes-Erkrankung. Bei einer Fettleber kommt es zu einer Einlagerung von Fett in die Leberzellen, den sogenannten Hepatozyten. Dabei unterscheidet man zwischen einer durch Alkohol verursachten Fettlebererkrankung und einer nicht-alkoholischen Fettlebererkrankung.

Eine Fettleber kann besonders ernste Folgen haben, wenn neben Fett auch eine Entzündung in der Leber nachweisbar ist. Dann wird, ebenfalls je nach Ursache, zwischen einer alkoholischen Fettleberentzündung und einer nicht-alkoholischen Fettleberentzündung unterschieden. Diese Erkrankungen können unbehandelt zu Bindegewebseinlagerungen (Fibrose) und Vernarbungen (Zirrhose) führen. Dann kann die Leber ihre Funktion nur noch eingeschränkt wahrnehmen und es kann zu gefährlichen Spätfolgen, wie zum Beispiel einem Wasserbauch, Funktionsstörungen des Gehirns aufgrund von Giftstoffen oder Leberkrebs, kommen.

Gut zu wissen:

Durch eine Lebensstiländerung kann eine Verfettung der Leber in frühen Stadien wieder rückgängig gemacht werden.

Das Besondere an der Beziehung zwischen einer Fettlebererkrankung und Diabetes ist, dass beide Erkrankungen gegenseitig Auslöser und Folge sein können. Die Fettlebererkrankung ist mittlerweile die zweithäufigste Ursache für eine Lebertransplantation in den westlichen Ländern geworden.

Was sind Anzeichen für eine Fettlebererkrankung?

Da die Leber über keine Nervenzellen verfügt, verspüren Menschen mit einer Fettleber oder einer Fettleberentzündung meist keine Schmerzsignale. Folgende Symptome können dennoch ein Hinweis auf eine Fettlebererkrankung sein:

  • Anhaltende Müdigkeit und Antriebslosigkeit
  • Konzentrationsstörungen
  • Druckgefühl im rechten Oberbauch
  • Häufiges Völlegefühl
  • Beschwerden beim Liegen auf der rechten Seite
  • Dunkler Urin
  • Heller Stuhl

Menschen mit Diabetes können einiges tun, um einer nicht-alkoholische Fettlebererkrankung vorzubeugen. Dabei spielt besonders ein gesunder Lebensstil eine entscheidende Rolle:

  • Achten Sie auf ein normales Körpergewicht und versuchen Sie, Übergewicht zu vermeiden. Dazu sollten Sie die tägliche Menge an Kalorien, die Sie zu sich nehmen, an Ihren Energieverbrauch anpassen.
  • Versuchen Sie, einen aktiven Lebensstil zu pflegen und regelmäßige Bewegung und Sporteinheiten in Ihren Alltag einzubauen.
  • Vermeiden Sie möglichst alkoholische Getränke und achten Sie auf eine ausgewogene und ballaststoffreiche Ernährung. Besonders ungünstig sind sehr energiereiche Lebensmittel mit vielen ungesunden Fetten und freien Zuckern, wie zum Beispiel Softdrinks, süße Snacks und fette Wurstwaren.
  • Rauchen Sie nicht.

Da sich die nicht-alkoholische Fettlebererkrankung und Diabetes gegenseitig bedingen können, ist es wichtig das jeweilige Erkrankungsrisiko frühzeitig untersuchen zu lassen. Menschen mit Typ-2-Diabetes sollten durch ihre behandelnde Ärztin oder ihren behandelnden Arzt abklären lassen, ob eine Verfettung der Leber oder vielleicht sogar schon eine Fettleberentzündung vorliegt. So kann der Entstehung einer fortgeschrittenen Leberschädigung vorgebeugt werden.

Eine Fettleber kann durch unterschiedliche Ursachen ausgelöst werden:

  • Übermäßiger Alkoholkonsum
  • Mangelnde Bewegung
  • Falsche Ernährung
  • Medikamente
  • Schwangerschaft
  • Höheres Alter
  • Metabolisches Syndrom (zum Beispiel Übergewicht oder Insulinresistenz)
  • Typ-2-Diabetes
  • Als Begleiterkrankung bei anderen Erkrankungen (zum Beispiel Hepatitis C-Virusinfektion)

Umgekehrt kann die Fettlebererkrankung auch einer Diabetes-Erkrankung vorausgehen: Menschen mit einer nicht-alkoholischen Fettlebererkrankung haben ein erhöhtes Risiko für Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Bei Verdacht auf das Vorliegen einer Fettleber sollte laut der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) zuerst der allgemeine Gesundheitszustand durch Messung des Body-Mass-Index (BMI), Bauchumfangs und Blutdrucks bestimmt werden. Zusätzlich sollte eine Blutuntersuchung durchgeführt werden. Dabei sollten neben speziellen Leberwerten (die sogenannten Transaminasen), auch der Nüchternblutzuckerwert und der Blutzucker-Langzeitwert (HbA1c-Wert) sowie Blutfette (Triglyzeride, HDL- und LDL-Cholesterin) untersucht werden. So kann festgestellt werden, ob eine Typ-2-Diabetes-Erkrankung oder Risikofaktoren des metabolischen Syndroms vorliegen, die wiederum Risikofaktoren für eine Fettlebererkrankung darstellen.

Hier erfahren Sie mehr über das metabolische Syndrom!

Allerdings muss beachtet werden, dass eine Blutuntersuchung alleine nicht zur Diagnostik einer Fettlebererkrankung ausreicht, da die Leberwerte im Blut bei einer Fettlebererkrankung häufig unauffällig sind. Auch können erhöhte Blutwerte auf andere Ursachen zurückzuführen sein.

Durch Nachfragen können ein übermäßiger Alkoholkonsum sowie andere Erkrankungen, wie zum Beispiel Fettstoffwechselstörungen oder Darmerkrankungen, als mögliche Ursache für eine Fettlebererkrankung ausgeschlossen werden.

Um eine Fettlebererkrankung zu diagnostizieren, können mehrere bildgebende (nicht-invasive) Verfahren herangezogen werden: In der Regel führt die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt eine Ultraschall-Untersuchung (Sonographie) durch. Liegt eine Fettleber vor, erscheint das Organ im Ultraschall meist heller und größer als normal. Des Weiteren kann eine Magnet-Resonanz-Spektroskopie (MRS) sowie eine Elastographie zur Diagnose einer Fettleber stattfinden. Bei einer MRS-Untersuchung wird der Fettgehalt und bei einer Elastographie die Elastizität der Leber gemessen.

Um andere Lebererkrankungen auszuschließen und sicher feststellen zu können, ob eine einfache Fettleber oder eine Fettleberentzündung vorliegt, ist eine Leberbiopsie notwendig. Bei der Biopsie handelt es sich um einen invasiven Eingriff. Dabei wird über eine Spritze Lebergewebe entnommen, um die Leberzellen genau untersuchen zu können. Die Leberbiopsie wird häufig auch als Leberpunktion bezeichnet.

Bei der Therapie der nicht-alkoholischen Fettlebererkrankung geht es in erster Linie um die Veränderung des Lebensstils. Wichtig ist es, die Entstehungsgründe der Erkrankung herauszufinden und dort die Behandlung anzusetzen. Ist Übergewicht der Auslöser, gilt es dieses zu reduzieren. Schon 5 bis 10 Prozent Gewichtsverlust können sich positiv auf eine nicht-alkoholische Fettlebererkrankung auswirken. Ein Gewichtsverlust um 10 Prozent kann sogar eine nicht-alkoholische Fettleberentzündung rückgängig machen. Auch eine ausgewogene Ernährung und regelmäßige Bewegung haben laut Studien sehr positive Effekte auf den Verlauf einer nicht-alkoholischen Fettlebererkrankung.

Aufgrund des erhöhten Risikos für Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Menschen mit einer nicht-alkoholischen Fettlebererkrankung sollte zusätzlich in regelmäßigen Abständen eine Untersuchung des Herzens und der Gefäße durch eine Ärztin oder einen Arzt erfolgen. So können die Risikofaktoren und mögliche Herz-Kreislauf-Erkrankungen frühzeitig abgeklärt und gegebenenfalls behandelt werden.

Hier erfahren Sie mehr über Herz-Kreislauf-Erkrankungen!

Bei einer durch Alkohol verursachten Fettlebererkrankung sollte auf alkoholhaltige Getränke verzichtet werden. Solange noch keine Entzündung vorliegt und ein Lebensstilwandel konsequent eingehalten wird, stehen die Chancen einer sich vollständig regenerierenden Leber sehr gut.

Die Häufigkeit einer nicht-alkoholischen Fettlebererkrankung variiert von Land zu Land sehr stark und wird weltweit auf etwa 20 bis 30 Prozent geschätzt. In Deutschland sind etwa 30 von 100 Menschen erkrankt. Bei Menschen mit Typ-2-Diabetes liegt die Häufigkeit für eine nicht-alkoholische Fettlebererkrankung mit über 70 Prozent deutlich höher.

Umgekehrt führt eine Fettleber bei vielen Menschen zu einer Insulinresistenz. Dabei gilt: Je ausgeprägter die Fettleber, desto schlechter die Insulinwirkung an den Zellen. Somit steigt auch das Risiko für Diabetes. Menschen mit einer Fettleber haben ein 2- bis 5-fach höheres Risiko für Typ-2-Diabetes im Vergleich zur Normalbevölkerung.

Quellen:

Deutsche Leberhilfe e.V.: Nicht-alkoholische Fettleber – NAFL und NASH. Stand Mai 2017
Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS): Nicht-alkoholische Fettlebererkrankungen. S2k Leitlinie, 2015. Version 01/2015
Stefan, N. & Roden, M.: Diabetes und Fettleber. In: Diabetologie, 2018, 13: S205-S208
Deutsche Diabetes Gesellschaft & Deutsche Diabetes-Hilfe: Deutscher Gesundheitsbericht Diabetes 2019
Younossi, Z.M. et al.: Global epidemiology of nonalcoholic fatty liver disease – Meta-analytic assessment of prevalence, incidence, and outcomes. In: Hepatology, 2016, 64: 73-84
Tilg, H. et al.: NAFLD and diabetes mellitus. In: Nature Reviews Gastroenterology & Hepatology, 2017, 14: 32-42
Cusi, K. et al.: Non-alcoholic fatty liver disease (NAFLD) prevalence and its metabolic associations in patients with type 1 diabetes and type 2 diabetes. In: Diabetes, Obesity and Metabolism, 2017, 19: 1630-1634
Stand: 19.11.2019