Lun­gen­krank­hei­ten bei Dia­be­tes

Wissenschaftliche Unterstützung: PD Dr. Julia Szendrödi

Die Lunge gehört zu den wichtigsten Organen des Menschen. Neue Erkenntnisse zeigen, dass es Zusammenhänge zwischen Diabetes und verschiedenen Lungenkrankheiten gibt.

Sowohl Typ-1- als auch Typ-2-Diabetes kann die Entstehung, den Schweregrad und den Verlauf von Lungenkrankheiten beeinflussen.

    Bei Menschen mit Diabetes werden Atemwegsbeschwerden häufiger beobachtet als bei gleichaltrigen Menschen ohne Diabetes. Die Fachwelt diskutiert bereits seit einigen Jahren die Beziehungen zwischen Diabetes und eingeschränkter Lungenfunktion. Ein Zusammenhang mit Diabetes hat sich bei den folgenden Lungenkrankheiten bestätigt oder wird vermutet:

    • Asthma
    • COPD (Chronisch obstruktive Lungenerkrankung)
    • Lungenfibrose („Narbenlunge“)
    • Lungenhochdruck (Pulmonale Hypertonie)
    • Lungenkrebs

    Gut zu wissen:

    Der Lungeninformationsdienst am Helmholtz Zentrum München bietet umfassende Informationen zu Lungenerkrankungen - aktuell und neutral. 

    War­um hängt Dia­be­tes mit Lun­gen­krank­hei­ten zu­sam­men?

    Bisher ist wenig darüber bekannt, welche Ursachen sich hinter dem Zusammenhang von Diabetes und Lungenkrankheiten verbergen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler diskutieren mehrere mögliche Gründe für einen Einfluss von Diabetes auf die Atemwege, das Lungengewebe und die Lungengefäße:

    • Diabetes geht mit dauerhaften unterschwelligen Entzündungszuständen im Körper einher. Das kann sich auch auf die Lungen auswirken.
    • Bei Menschen mit Diabetes tritt verstärkt oxidativer Stress auf, der zu komplexen Störungen im Lungengewebe führt.
    • Hohe Blutzuckerspiegel begünstigen das Wachstum und die Vermehrung von Krebszellen in der Lunge.
    • Ein langjähriger Diabetes kann Blutgefäße im Körper schädigen. Das betrifft auch die Lungengefäße.

    Wor­auf soll­ten Men­schen mit Dia­be­tes in Be­zug auf die Lun­ge ach­ten?

    Menschen mit Diabetes und ihre behandelnden Ärztinnen und Ärzte sollten aufmerksam für mögliche Veränderungen an den Lungen sein.

    Häufige Atemnot bei geringer Belastung kann ein 1. Anzeichen für eine Lungen-Spätfolge des Diabetes sein – vor allem, wenn bereits eine Nierenerkrankung vorliegt. Bei anhaltenden Atemwegsbeschwerden sollten die Lungen untersucht werden.

    Besonders wichtig ist es, auf das Rauchen zu verzichten. Diabetes und Rauchen ist eine gefährliche Kombination, die nahezu alle Organe des Körpers schwer und nachhaltig schädigen kann. 

    Das können Menschen mit Diabetes selbst für ihre Lungengesundheit tun:

    • Mit dem Rauchen aufhören
    • Auf gute Blutzuckerwerte achten
    • Übergewicht abbauen
    • Gegen Grippe und Pneumokokken impfen lassen
    • Für viel Bewegung sorgen

    Mehr zu Tabakentwöhnung und Rauchstopp finden Sie beim Lungeninformationsdienst des Helmholtz Zentrums München

    Asthma bronchiale ist eine dauerhafte (= chronische) entzündliche Erkrankung der Atemwege. Das Bronchialsystem reagiert bei der Erkrankung überempfindlich auf verschiedene Reize.

    Asthma tritt anfallsartig auf: Bei entsprechenden Reizen ziehen sich die Bronchien zusammen und verengen die Atemwege. Beschwerden sind dann zum Beispiel eine pfeifende Atmung, Kurzatmigkeit, Luftnot, ein Engegefühl in der Brust oder auch einfach nur Husten.

    Menschen mit Diabetes haben ein höheres Risiko, an Asthma zu leiden: Im Vergleich zu Menschen ohne Diabetes sind sie rund doppelt so häufig von einer Asthma-Erkrankung betroffen. Besonders hoch ist das Risiko für Asthma, wenn zusätzlich zur Diabetes-Erkrankung geraucht wird.

    Diabetes kann auch eine bereits bestehende Asthma-Erkrankung verschlimmern. Asthma-Anfälle treten dann häufiger auf und sind schwerer.

    Gut zu wissen:

    Das Bronchialsystem ist ein weit verzweigtes Röhrensystem, das die Atemluft von der Luftröhre bis in die kleinen Lungenbläschen leitet. Hier tritt Sauerstoff aus der Atemluft in das Blut über, während Kohlenstoffdioxid aus dem Blut aufgenommen und über das Bronchialsystem abtransportiert (ausgeatmet) wird.

    Umgekehrt wirkt sich Asthma auch auf eine Diabetes-Erkrankung aus. Die Entzündungsstoffe, die der Körper bei Asthma ausschüttet, können die Blutzuckerwerte bei Menschen mit Diabetes verschlechtern.

    Bei der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) sind die Atemwege dauerhaft verengt. Wichtigster Risikofaktor ist das Rauchen. COPD ist derzeit die 4. häufigste Todesursache weltweit.

    Verantwortlich für die dauerhafte Verengung der Atemwege bei COPD sind anhaltende Entzündungsprozesse. Diese bewirken Veränderungen, die sich zum Teil nicht mehr zurückbilden. Das sind typische Merkmale bei COPD:

    • Die Schleimhaut in den Bronchien ist geschwollen.
    • Bestimmte Zellen in der Bronchialwand geben vermehrt Schleim ab.
    • Die Selbstreinigungsfunktion der Atemwege ist gestört, sodass die Bronchien nicht mehr ausreichend von Schleim befreit werden (Verschleimung).
    • Die Bronchialwände werden narbig umgebaut, was die Atemwege zusätzlich verengt.
    • Die Lungenbläschen werden geschädigt, was den Austausch der Atemgase (Sauerstoff und Kohlendioxid) erschwert.

    Diabetes tritt bei Menschen mit COPD häufiger auf als bei der Durchschnittsbevölkerung. Vor allem Menschen mit einer fortgeschrittenen COPD-Erkrankung haben oft gleichzeitig einen Diabetes.

    Diese Beobachtung passt zu dem Wissen, dass es eine gemeinsame Schnittmenge bei den Krankheitsmerkmalen von Diabetes und COPD gibt. Beide Krankheiten gehen zum Beispiel mit einer andauernden unterschwelligen Entzündung im Körper einher. Expertinnen und Experten vermuten, dass die Entzündungsprozesse bei COPD zur Entwicklung oder Verschlechterung von Diabetes beitragen.

    Ob umgekehrt eine Diabetes-Erkrankung auch das Risiko für COPD erhöht, wurde bisher nicht geklärt.

    Dauerhafte Entzündungen des Lungengewebes können zu einer Lungenfibrose führen. Durch die Entzündungsprozesse wird Organgewebe geschädigt und durch funktionsloses, vernarbtes Gewebe ersetzt. Das sind mögliche Folgen:

    • Es bildet sich vermehrt verhärtetes und vernarbtes Gewebe zwischen den Lungenbläschen und den umgebenden Blutgefäßen. Hierdurch wird der Austausch der Atemgase gestört. Die Aufnahme von Sauerstoff in das Blut ist dann eingeschränkt.
    • Weil immer mehr vernarbtes Gewebe entsteht, verliert die Lunge an Elastizität und versteift zunehmend. Die Lungen können sich nicht mehr richtig ausdehnen. Das Atmen ist erschwert, da mehr Kraft für die Einatmung aufgebracht werden muss.

    Menschen mit Diabetes haben ein höheres Risiko für eine Lungenfibrose. Forschungsergebnisse konnten zeigen, dass vor allem Menschen mit einer Nierenerkrankung als Diabetes-Spätfolge häufig eine Lungenfibrose entwickeln.

    Hier erfahren Sie mehr zum Thema Nierenerkrankungen bei Diabetes!

    Umgekehrt leiden viele Menschen mit einer Lungenfibrose auch an Diabetes.

    Lungenhochdruck wird fachsprachlich auch pulmonale Hypertonie genannt. Bei der seltenen Erkrankung kommt es zu einer starken Verengung der Blutgefäße in den Lungen, sodass der Blutdruck in den Lungengefäßen steigt. Es entsteht ein Rückstau im Blutfluss, und die rechte Herzkammer muss das Blut mit mehr Kraft in die Lungen pumpen. Hierdurch wird das Herz mit der Zeit überbelastet. Menschen mit Lungenhochdruck leiden bereits bei geringster Belastung unter Atemnot und Brustschmerzen.

    Ein langjähriger Diabetes kann die Blutgefäße im Körper dauerhaft schädigen und damit auch die Lungengefäße. Expertinnen und Experten vermuten daher einen Zusammenhang zwischen Lungenhochdruck und Diabetes. Untersuchungen bestätigen, dass Diabetes bei Menschen mit Lungenhochdruck häufiger vorkommt als in der Allgemeinbevölkerung. Bisher ist allerdings nicht geklärt, ob ein Lungenhochdruck die Folge von Diabetes oder dessen Ursache ist.

    Es liegt eine Reihe von Untersuchungen vor, die einen Zusammenhang zwischen Diabetes und Lungenkrebs nahelegen. Möglicherweise kann ein Diabetes das Risiko für Lungenkrebs erhöhen und eine bestehende Lungenkrebs-Erkrankung verschlimmern. Allerdings muss die Rolle von Diabetes bei Lungenkrebs weiter geklärt werden.

    Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nehmen an, dass dauerhaft hohe Blutzuckerspiegel bei Diabetes das Wachstum und die Vermehrung von Krebszellen begünstigen. Bei Menschen mit Lungenkrebs und Diabetes ist daher eine gute Blutzuckereinstellung besonders wichtig.

    Hier erfahren Sie mehr über Diabetes und Krebs!

    Quellen:

    De Santi, F. et al.: Type 2 diabetes is associated with an increased prevalence of respiratory symptoms as compared to the general population. In: BMC Pulm Med, 2017, 17: 101
    Ehrlich, S. F. et al.: Patients diagnosed with diabetes are at increased risk for asthma, chronic obstructive pulmonary disease, pulmonary fibrosis, and pneumonia but not lung cancer. In: Diabetes Care, 2010, 33: 55-60
    George, C. et al.: Increased risk of respiratory diseases in adults with Type 1 and Type 2 diabetes. In: Diabetes Res Clin Pract, 2018, 142: 46-55
    Khateeb, J. et al.: Diabetes and Lung Disease: A Neglected Relationship. In: Rev Diabet Stud, 2019, 15: 1-15
    Kopf, S. et al.: Breathlessness and Restrictive Lung Disease: An Important Diabetes-Related Feature in Patients with Type 2 Diabetes. In: Respiration, 2018, 96: 29-40
    Lee, J. Y. et al.: Diabetes mellitus as an independent risk factor for lung cancer: a meta-analysis of observational studies. In: Eur J Cancer, 2013, 49: 2411-2423
    Lungenärzte im Netz: www.lungenaerzte-im-netz.de (Letzter Abruf: 22.08.2019)
    Lungeninformationsdienst: www.lungeninformationsdienst.de (Letzter Abruf: 21.08.2019)
    Robert Koch-Institut: Empfehlungen der Ständigen Impfkommission. (Letzter Abruf: 21.08.2019)
    Sona, M. F. et al.: Type 1 diabetes mellitus and risk of cancer: a meta-analysis of observational studies. In: Jpn J Clin Oncol, 2018, 48: 426-433
    Thomsen, S. F. et al.: Risk of asthma in adult twins with type 2 diabetes and increased body mass index. In: Allergy, 2011, 66: 562-568
    Yang, W. S. et al.: Pre-existing type 2 diabetes and risk of lung cancer: a report from two prospective cohort studies of 133 024 Chinese adults in urban Shanghai. In: BMJ Open, 2014, 4: e004875
    Stand: 31.10.2019