Was wird geforscht?

Die Entstehung von Diabetes ist ein komplexer Prozess, der durch ein vielschichtiges langjähriges Zusammenspiel von Genen, Lebensstil und Umweltfaktoren zur Erkrankung führt. Im Deutschen Zentrum für Diabetesforschung e.V. (DZD) arbeiten 400 exzellente Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gemeinsam daran, dieses vielschichtige Geschehen der Diabetes-Entstehung zu entschlüsseln und neue personalisierte Präventions- und Therapiekonzepte zu entwickeln – das heißt sie arbeiten an der passenden Behandlung zur richtigen Zeit für die verschiedenen Patientinnen- beziehungsweise Patientengruppen.

Ziel ist es, Erkenntnisse aus der Diabetesforschung möglichst schnell vom Labor in klinische Studien und dann zur Patientin oder zum Patienten zu bringen. Um das zu erreichen, arbeitet das DZD an diesen Forschungsschwerpunkten:

Allein in Deutschland leiden etwa 18 Millionen Menschen an einer nichtalkoholischen Fettleber. Zu viel Fett in der Leber führt nicht nur zu einer chronischen Erkrankung der Leber, es hat auch einen negativen Einfluss auf den Stoffwechsel und kann zur Entwicklung eines Typ-2-Diabetes führen. Doch warum entsteht eine Fettleber? Wie schreitet sie voran? Wer ist besonders gefährdet? Das DZD arbeitet an Antworten auf diese Fragen, um neue Strategien zu entwickeln, der Fettleber vorzubeugen beziehungsweise die Erkrankung besser zu behandeln.

Aktuelle Studien zeigen, dass das Gehirn eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Typ-2-Diabetes und Fettleibigkeit spielt. So reagieren Gehirngebiete auf das Hormon Insulin, die für die Nahrungsaufnahme oder den Stoffwechsel wichtig sind. Vermutlich dämpft das Hormon im Gehirn den Hunger nach dem Essen. DZD-Forschende untersuchen den Zusammenhang zwischen Gehirn und Stoffwechsel.

Welche Gene spielen bei Diabetes eine Rolle? Wie wirkt sich der Lebensstil aus? Auch auf diese Fragen versuchen DZD-Forscherinnen und -Forscher Antworten zu finden. Ihnen ist es gelungen, mehr als 50 neue Gene zu identifizieren, die eine Wirkung auf den Stoffwechsel haben. Doch nicht nur der genetische Code selbst beeinflusst das Diabetes-Risiko. Auch der Lebensstil kann Einfluss darauf nehmen, in welchem Ausmaß bestimmte Gene abgelesen werden (Epigenetik). Forschungsergebnisse des DZD deuten darauf hin, dass durch Ernährung verursachte Fettleibigkeit und Diabetes an die Nachkommen vererbt werden können.

Beim Typ-1-Diabetes sowie im fortgeschrittenen Stadium des Typ-2-Diabetes gehen die insulinproduzierenden Betazellen (Inselzellen in der Bauchspeicheldrüse) zugrunde. Das DZD arbeitet an Verfahren, um die insulinproduzierenden Betazellen besser zu schützen beziehungsweise sie wiederherzustellen oder zu ersetzen. Dabei forschen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unter anderem an Stammzellen und an einer „künstlichen“ Bauchspeicheldrüse.

Diabetes kann zu verschiedenen schwerwiegenden Komplikationen führen wie dem Diabetischen Fuß, Augenerkrankungen, Nierenfunktionsstörungen und gelegentlich auch Krebs. Um solche Folgen künftig vermeiden beziehungsweise hinauszögern zu können, gilt es zu erkennen, welche Patientinnen und Patienten ein hohes Risiko für Komplikationen haben. DZD-Forschende haben bereits 4 verschiedene Untergruppen des Typ-2-Diabetes entdeckt, die ein unterschiedlich hohes Risiko für Folgeerkrankungen haben.

Nicht jeder Mensch, der an einer Vorstufe des Diabetes (erhöhte Blutzuckerwerte, Prädiabetes) leidet, bekommt auch die Stoffwechselerkrankung. Viele können mit mehr Bewegung und gesunder Ernährung ihre Blutzuckerwerte wieder in den Griff bekommen. Doch nicht jeder Mensch mit Prädiabetes profitiert davon. DZD-Forschende arbeiten daran, die unterschiedlichen Untergruppen des Diabetes und Prädiabetes zu identifizieren und für diese Untergruppen jeweils eine passende Vorbeugung zu entwickeln. Bisher ist es den Forschenden bereits gelungen, mehrere unterschiedliche Untergruppen für Prädiabetes zu beschreiben.

In Deutschland haben etwa 373.000 Menschen die Autoimmunerkrankung Typ-1-Diabetes, bei der die körpereigene Immunabwehr die insulinproduzierenden Zellen zerstört. DZD-Forscherinnen und -Forscher arbeiten daran, dass Kinder mit einem erhöhten genetischen Risiko für diese Erkrankung früh erkannt und künftig vorbeugend behandelt werden können. Die Forschenden haben bereits einen Risikotest für Typ-1-Diabetes entwickelt. Nun wollen sie eine Therapie entwickeln, die das Immunsystem so steuert, dass die Zerstörung der insulinproduzierenden Zellen verhindert wird.

Deutschlandweit werden große Studien durchgeführt, um bessere Maßnahmen zur Vorbeugung und Therapie des Diabetes zu finden. Ziel ist es, die passende Behandlung für die richtige Patientinnen- beziehungsweise Patientengruppe zur richtigen Zeit zu entwickeln. Es werden Studien zur Prävention und Therapie von Typ-1-Diabetes und Typ-2-Diabetes, zu Schwangerschaftsdiabetes, zu Folgeerkrankungen, zur Behandlung der Fettleber bei Diabetes beziehungsweise Insulinresistenz im Gehirn durchgeführt.