Blick auf eine Hand, in der eine Tablette liegt. In der anderen Hand ein Glas Wasser.

© Studio Romantic / Adobe Stock

Nachrichten
Diabetes-Behandlung

Kann Metformin zu Vitamin B12- und Folsäuremangel führen?

Wissenschaftliche Unterstützung: Dr. Kalliopi Pafili

In einer Untersuchung der Deutschen Diabetes-Studie hatte eine mehrmonatige Metformin-Therapie bei Personen mit einem neu diagnostizierten Typ-2-Diabetes keine Auswirkungen auf den Gehalt an Folsäure und aktivem Vitamin B12 im Blut. Ebenfalls zeigte sich bei den Studienteilnehmenden kein Zusammenhang zwischen dem Vitamin B12-Spiegel und der Insulinempfindlichkeit (Insulinsensitivität).

Bei Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Deutschen Diabetes-Studie führte eine Behandlung mit dem Antidiabetikum Metformin über durchschnittlich 170 Tage nicht, wie einige vorherige Studien vermuten ließen, zu einem Folsäuremangel. Auch ein Vitamin B12-Mangel lag nach der Therapie nicht vor.

Um festzustellen, inwiefern sich die Einnahme von Metformin-Tabletten über einen kürzeren Zeitraum auf die Vitamin B12- und Folsäure-Spiegel bei Personen mit einer Typ-2-Diabetes-Dauer von weniger als einem Jahr auswirken, hat das Forschungsteam 123 Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit neu diagnostiziertem Typ-2-Diabetes, die eine Metformin-Therapie begonnen hatten, untersucht und beobachtet. Die Daten dieser Gruppe verglichen sie mit einer Kontrollgruppe. Diese 126 Personen hatten ebenfalls vor weniger als 12 Monaten die Diagnose Typ-2-Diabetes erhalten, wurden jedoch nicht mit Metformin sondern der Basistherapie (Steigerung der körperlichen Aktivität, Ernährungs- und weitere Lebensstilmaßnahmen) behandelt.

Anfänglich auf Kontrolle von Folsäure und Vitamin B12 verzichten

In den beiden Gruppen zeigten sich keine Unterschiede hinsichtlich der Blutwerte zur Bestimmung der Vitamin B12- und Folsäure-Spiegel. Das weise darauf hin, dass die Folsäure- und Vitamin B12-Spiegel durch die Metformin-Behandlung nicht sinken. Deswegen sei eine routinemäßige Kontrolle von Vitamin B12 und Folsäure zumindest innerhalb des ersten halben Jahres einer Metformin-Therapie bei Personen mit einem neu diagnostizierten Diabetes nicht erforderlich, so das Fazit des Studienteams.

Kein Zusammenhang zwischen Vitamin B12 und der Insulinproduktion

Ebenfalls zeigte sich kein Zusammenhang zwischen dem Vitamin B12-Spiegel und

  1. der Insulinausschüttung (Insulinsekretion) im nüchternen Zustand,
  2. der Glukose-stimulierte Insulinausschüttung nach Glukosegabe und
  3. der Insulinempfindlichkeit der Körperzellen.

Allerdings, konnte ein positiver Zusammenhang zwischen dem Folsäure-Spiegel und

  1. der Insulinsensitivität sowie
  2. der Insulinausschüttung

in der Kontrollgruppe nachwiesen werden. Ob eine Nahrungsergänzung mit Folsäure die Insulinempfindlichkeit und die Insulinausschüttung bei Typ-2-Diabetes verbessern kann, müssen weitere Studien zeigen.


Quelle:
Kanti, G. et al.: Vitamin B12 and folate concentrations in recent-onset type 2 diabetes and the effect of metformin treatment. In: J Clin Endocrinol Metab, 2020, 105: dgaa150