Welche Risiken hat Schwangerschaftsdiabetes für das Kind?

Wissenschaftliche Unterstützung: PD Dr. Sandra Hummel

Bei den meisten Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes verläuft die Schwangerschaft normal und sie bringen ein gesundes Kind zur Welt. Dennoch nimmt das Risiko für Geburtskomplikationen durch die erhöhten Blutzuckerwerte zu. Die Blutzuckerwerte lassen sich aber durch eine entsprechende Behandlung, insbesondere durch eine Ernährungsumstellung, gut normalisieren.

Kinder von Müttern mit Schwangerschaftsdiabetes kommen häufiger mit einem höheren Geburtsgewicht zur Welt (über 4.000 Gramm). Das kann zur Folge haben, dass ein Kaiserschnitt nötig ist. Außerdem kann es zu Frühgeburten kommen.

Direkt nach der Geburt kann es bei den Babys zu Anpassungsschwierigkeiten kommen: Sie neigen zu Problemen mit der Atmung, Unterzuckerungen oder Neugeborenen-Gelbsucht. Dies wird von Kinderärztinnen und -ärzten untersucht und überwacht.

Langfristig haben die Kinder ein erhöhtes Risiko, übergewichtig zu werden und selbst an Typ-2-Diabetes zu erkranken. Eine Studie konnte zeigen, dass im Alter von 11 Jahren bereits mehr als 30 Prozent der Kinder von Müttern mit Schwangerschaftsdiabetes übergewichtig sind. 

Wenn die Menge an Blutzucker im Körper der werdenden Mutter zu hoch ist, erhöht sich auch die Blutzuckermenge beim ungeborenen Kind. Dauerhaft zu hohe Blutzuckerkonzentrationen bei der Schwangeren führen zu einer Überversorgung des Ungeborenen mit Zucker (Glukose).

Um die Zuckerflut zu bewältigen, setzt der kindliche Körper große Mengen Insulin frei. Das Hormon senkt nicht nur den Blutzuckerspiegel. Es ist auch das wichtigste Wachstumshormon während der Entwicklung im Mutterleib und stimuliert die Fetteinlagerung: Der kindliche Körperfettgehalt steigt durch die hohen Blutzuckerkonzentrationen der werdenden Mutter. In der Folge kommen die Kinder mit einem deutlich erhöhten Geburtsgewicht zur Welt. Allerdings deuten Ergebnisse mehrerer Interventionsstudien darauf hin, dass eine Normalisierung der mütterlichen Blutzuckerwerte während der Schwangerschaft zwar einem erhöhten Geburtsgewicht vorbeugen kann. Das reicht aber nicht aus, die spätere Entwicklung von kindlichem Übergewicht zu vermeiden, wenn die Mutter zu Schwangerschaftsbeginn übergewichtig ist.

Gut zu wissen:

Schwangerschaftsdiabetes ist keine harmlose Begleiterscheinung. Sie kann für das Kind nachteilige gesundheitliche Folgen haben und muss entsprechend behandelt werden.

Quellen:

Deutsche Diabetes Gesellschaft und Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe: S3-Leilinie Gestationsdiabetes mellitus (GDM) - Diagnostik, Therapie und Nachsorge, 2. Auflage, 2018
Deutsche Diabetes Gesellschaft und Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe: S3-Leilinie Gestationsdiabetes mellitus (GDM) - Diagnostik, Therapie und Nachsorge. Patientinnenempfehlung, 2. Auflage, 2018
Hummel, S. et al.: Postpartum Outcomes in Women with Gestational Diabetes and their Offspring: POGO Study Design and First-Year Results. In: The Review of Diabetic Studies, 2013, 10: 49-57
Stand: 31.10.2019