Welche Risiken hat Schwangerschaftsdiabetes für die Mutter?

Wissenschaftliche Unterstützung: PD Dr. Sandra Hummel

Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes werden als Risikoschwangere eingestuft. Dennoch verläuft die Schwangerschaft bei den meisten Frauen normal. Zu den Risiken, die während der Schwangerschaft bei der Mutter auftreten können, zählen:

  • Bluthochdruck, der manchmal von vermehrter Eiweißausscheidung im Urin begleitet wird (Präeklampsie)
  • Harnwegsinfekte aufgrund des erhöhten Zuckergehalts im Urin
  • Vorzeitige Wehen, die das Risiko für eine Frühgeburt erhöhen
  • Kaiserschnittentbindungen, durch das erhöhte Geburtsgewicht des Kindes

Welche Langzeitfolgen kann Schwangerschaftsdiabetes haben?

Zwar verschwindet die Stoffwechselstörung in der Regel nach der Geburt des Kindes wieder. Zu den Langzeitfolgen zählt allerdings ein erhöhtes Risiko, später einen Typ-2-Diabetes zu entwickeln. Mehr als die Hälfte der Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes erkranken innerhalb von 8 bis 10 Jahren nach der Entbindung an Typ-2-Diabetes. Diese Gefahr besteht vor allem für Frauen, die während der Schwangerschaft Insulin spritzen mussten oder starkes Übergewicht haben (Adipositas). Auch die familiäre Veranlagung spielt eine Rolle.

Es gibt immer mehr Hinweise darauf, dass Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes ein höheres Risiko für Depressionen haben. Dies wurde insbesondere bei Frauen beobachtet, die ihr Kind per Kaiserschnittgeburt zur Welt gebracht haben.

Darüber hinaus haben Frauen nach einem Schwangerschaftsdiabetes ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen (wie zum Beispiel Herzinfarkt oder Schlaganfall).

In einer Folge-Schwangerschaft erhöht sich das Risiko für einen Schwangerschaftsdiabetes auf etwa 40 Prozent. Dieses Risiko kann aber durch ausgewogene Ernährung und regelmäßige Bewegung verringert werden.

Frauen, die in der Schwangerschaft Insulin spritzen mussten oder starkes Übergewicht haben, haben nach der Geburt ihres Kindes das größte Typ-2-Diabetes-Risiko. In sehr vielen Fällen kann die Entstehung eines Diabetes im späteren Leben durch einen gesunden Lebensstil verhindert oder verzögert werden. Es kommt im Wesentlichen auf eine ausgewogene Ernährung, wie sie vielleicht schon in der Schwangerschaft erlernt wurde, möglichst viel Bewegung und eine Gewichtsnormalisierung an. Nach der Geburt sollten regelmäßige Blutzuckertests durchgeführt werden.

Zudem kann Stillen des Kindes das spätere Diabetes-Risiko der Mutter deutlich verringern: Ab einer Stilldauer von mindestens 3 Monaten stellt sich ein Schutzeffekt ein. Auf lange Sicht beeinflusst Stillen den mütterlichen Stoffwechsel positiv. Stillen senkt das langfristige Diabetes-Risiko um mehr als 40 Prozent. In Jahre umgerechnet kann es die Entwicklung eines Typ-2-Diabetes um durchschnittlich 10 Jahre verzögern.

Hier finden Sie mehr zu den Themen Ernährung und Nachsorge bei Schwangerschaftsdiabetes.

Ein Forschungsteam hat ein Punktesystem entwickelt, nach welchem das Typ-2-Diabetes-Risiko nach einem Schwangerschaftsdiabetes eingeschätzt wird.

Hier geht es zum Diabetes-Risikotest nach einem Schwangerschaftsdiabetes.

Der genaue Punktestand errechnet sich wie folgt:

5 x BMI (in der frühen Schwangerschaft) + 132 (falls der Schwangerschaftsdiabetes mit Insulin behandelt wurde) + 44 (bei familiärer Diabetes-Veranlagung der Mutter) – 35 (falls die Mutter ihr Kind gestillt hat).

Ein höherer Punktestand drückt hierbei ein höheres Risiko aus, nach einem Schwangerschaftsdiabetes an Typ-2-Diabetes zu erkranken. Risikofaktoren, die positiv gewichtet werden, erhöhen das Risiko. Risikofaktoren, die negativ gewichtet werden, verringern es. Letzteres ist beim Stillen der Fall. Mütter, die ihr Kind gestillt haben, zeigten in Studien ein geringeres Risiko an Typ-2-Diabetes zu erkranken als Mütter, die nicht gestillt haben.

  • Ein Wert von kleiner als oder gleich 140 gilt als niedrig. Er bedeutet ein geschätztes Risiko von etwa 13 Prozent, innerhalb von 5 Jahren nach der Entbindung zu erkranken.
  • Ein Wert zwischen 141 und 220 beschreibt ein mittleres Risiko. Es liegt bei etwa 31 Prozent.
  • Ein Wert von 221 bis 300 bedeutet ein erhöhtes Risiko von etwa 60 Prozent. Darüber besteht ein hohes Risiko. Es liegt bei etwa 90 Prozent.

Während die ersten 3 Risikofaktoren zum Zeitpunkt der Entbindung feststehen, können betroffene Mütter beim Faktor Stillen aktiv ihr Erkrankungsrisiko verringern.

Quellen:

Deutsche Diabetes Gesellschaft et al.: S3-Leilinie Gestationsdiabetes mellitus (GDM) - Diagnostik, Therapie und Nachsorge. Langfassung. 2. Auflage. 2018
Deutsche Diabetes Gesellschaft et al.: S3-Leilinie Gestationsdiabetes mellitus (GDM) - Diagnostik, Therapie und Nachsorge. Patientinnenempfehlung. 2. Auflage. 2018
HAPO Study Cooperative Research Group et al.: Hyperglycemia and Adverse Pregnancy Outcomes. In: N Engl J Med, 2008, 358: 1991-2002
Köhler, M. et al.: Development of a simple tool to predict postpartum diabetes in women with gestational diabetes mellitus. In: Acta Diabetol, 2016, 53: 433-437
Much, D. et al.: Lactation is associated with altered metabolomic signatures in women with gestational diabetes. In Diabetologia, 2016, 59: 2193-2202
Ziegler, A. G. et al.: Long term protective effect of lactation on the development of type 2 diabetes mellitus in women with recent gestational diabetes mellitus. In: Diabetes, 2012, 61: 3167-3171
Stand: 31.10.2019