Ernährung bei Diabetes Typ 1

Wissenschaftliche Unterstützung: Theresa Kössler

Menschen mit Diabetes brauchen keine spezielle Diabetes-Diät oder besondere Lebensmittel. Eine Diabetes-gerechte Ernährung entspricht einer ausgewogenen vollwertigen Mischkost. Diese empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) auch für Menschen ohne Diabetes.

Menschen mit Diabetes sollten die täglichen Mahlzeiten so gestalten, dass sie an die eigene Lebenssituation angepasst sind. Jeder Mensch hat andere Vorlieben, finanzielle Möglichkeiten oder eine andere Kultur. Am besten besprechen Menschen mit Diabetes ihre Ernährung in einem ärztlichen Gespräch oder bei einer qualifizierten beziehungsweise zertifizierten Ernährungsberatung.

Bei einer intensivierten Insulintherapie kann die Ernährung ganz flexibel gestaltet werden. Es ist wichtig, die Kohlenhydratmengen der Lebensmittel mit Hilfe von Nährwertangaben und Tabellen abzuschätzen, um dementsprechend die Insulinmenge darauf anpassen zu können. Mit Übung gelingt dies meist sehr gut und der Spaß und Genuss am Essen geht nicht verloren.

Wie ernähre ich mich eigentlich richtig?

Die Ernährung sollte ausgewogen und abwechslungsreich sein sowie nährstoffreiche Lebensmittel mit vielen Ballaststoffen enthalten. Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte, Nüsse, Samen, Vollkornprodukte, fettarme Milch- und Fleischprodukte sowie Fisch bilden die Hauptkomponenten einer vollwertigen Mischkost.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung erklärt in ihren 10 Regeln, wie sich eine vollwertige Ernährung umsetzen lässt. Erfahren Sie mehr in der nachfolgenden Klickstrecke.

Lebensmittelvielfalt genießen

Lebensmittelvielfalt genießen

Nutzen Sie die Lebensmittelvielfalt und essen Sie abwechslungsreich. Wählen Sie überwiegend pflanzliche Lebensmittel.

Gemüse und Obst – nimm „5 am Tag“

Gemüse und Obst – nimm „5 am Tag“

Genießen Sie mindestens 3 Portionen Gemüse und 2 Portionen Obst am Tag. Zur bunten Auswahl gehören auch Hülsenfrüchte wie Linsen, Kichererbsen und Bohnen sowie (ungesalzene) Nüsse.

Vollkorn wählen

Vollkorn wählen

Bei Getreideprodukten wie Brot, Nudeln, Reis und Mehl ist die Vollkornvariante die beste Wahl für Ihre Gesundheit.

Mit tierischen Lebensmitteln die Auswahl ergänzen

Mit tierischen Lebensmitteln die Auswahl ergänzen

Essen Sie Milch und Milchprodukte wie Joghurt und Käse täglich, Fisch 1- bis 2-mal pro Woche. Wenn Sie Fleisch essen, dann nicht mehr als 300 bis 600 Gramm pro Woche.

Gesundheitsfördernde Fette nutzen

Gesundheitsfördernde Fette nutzen

Bevorzugen Sie pflanzliche Öle wie beispielsweise Rapsöl und daraus hergestellte Streichfette. Vermeiden Sie versteckte Fette. Fett steckt oft „unsichtbar“ in verarbeiteten Lebensmitteln wie Wurst, Gebäck, Süßwaren, Fast-Food und Fertigprodukten.

Zucker und Salz einsparen

Zucker und Salz einsparen

Mit Zucker gesüßte Lebensmittel und Getränke sind nicht empfehlenswert. Vermeiden Sie diese möglichst und setzen Sie Zucker sparsam ein. Sparen Sie Salz und reduzieren Sie den Anteil salzreicher Lebensmittel. Würzen Sie kreativ mit Kräutern und Gewürzen.

Am besten Wasser trinken

Am besten Wasser trinken

Trinken Sie rund 1,5 Liter jeden Tag. Am besten Wasser oder andere kalorienfreie Getränke wie ungesüßten Tee. Zuckergesüßte und alkoholische Getränke sind nicht empfehlenswert.

Schonend zubereiten

Schonend zubereiten

Garen Sie Lebensmittel so lange wie nötig und so kurz wie möglich, mit wenig Wasser und wenig Fett. Vermeiden Sie beim Braten, Grillen, Backen und Frittieren das Anbrennen von Lebensmitteln.

Achtsam essen und genießen

Achtsam essen und genießen

Gönnen Sie sich eine Pause für Ihre Mahlzeiten und lassen Sie sich Zeit beim Essen.

Auf das Gewicht achten und in Bewegung bleiben

Auf das Gewicht achten und in Bewegung bleiben

Vollwertige Ernährung und körperliche Aktivität gehören zusammen. Dabei ist nicht nur regelmäßiger Sport hilfreich, sondern auch ein aktiver Alltag, indem Sie zum Beispiel öfter zu Fuß gehen oder Fahrrad fahren.

Eine ausgewogene Ernährung versorgt den Körper mit lebenswichtiger Energie und Nährstoffen und steigert die Lebensqualität. Vitamine und Mineralstoffe tragen dazu bei, dass wir uns fit fühlen und viele Vorgänge im Körper richtig funktionieren.

  • Sekundäre Pflanzenstoffe aus Obst und Gemüse unterstützen zum Beispiel das Immunsystem.
  • Ballaststoffe sorgen beispielsweise für eine gute Verdauung.
  • Manche Fette (zum Beispiel aus fettem Seefisch oder Leinsamen) unterstützen unsere Denkprozesse.

Eine ausgewogene Ernährung kann Menschen mit Typ-1-Diabetes helfen, ein gutes Stoffwechselmanagement zu erreichen. So kann sie außerdem helfen, Begleit- und Folgeerkrankungen vorzubeugen, darunter Nervenerkrankungen, Herzinfarkt oder das Diabetische Fußsyndrom.

Hier erfahren Sie mehr zu den Folgeerkrankungen des Typ-1-Diabetes!

Nach aktuellem Wissensstand kann keine bestimmte Ernährungsform oder Diät für Menschen mit Diabetes empfohlen werden. Zwar werden immer häufiger bestimmte Ernährungskonzepte genannt, die besonders für Menschen mit Diabetes geeignet sein sollen. Doch bisher hat die Forschung nicht eindeutig geklärt, ob und welche Konzepte die meisten Vorteile bieten.

Fachgesellschaften gehen derzeit davon aus, dass es kein Ernährungsmuster gibt, das für alle Menschen mit Diabetes gleich gut geeignet ist. Welche Ernährung sich am besten eignet, scheint von Mensch zu Mensch verschieden.

Auch spezielle Lebensmittel für Menschen mit Diabetes sind nicht erforderlich. Sie enthalten oft bestimmte Zuckeraustauschstoffe, wie beispielsweise Fruktose oder Sorbit. Diese Stoffe haben den gleichen Energiegehalt wie gewöhnlicher Zucker und bieten dadurch keine Vorteile. Zusätzlich können diese Produkte viel Fett und dadurch mehr Energie als normale Lebensmittel enthalten. Deshalb ist es seit 2012 in Deutschland nicht mehr erlaubt, spezielle Lebensmittel für Menschen mit Diabetes zu verkaufen.

Kohlenhydrate sind neben Fett und Eiweiß wichtige Energielieferanten für den menschlichen Körper. Alle Kohlenhydrate bestehen aus Zuckerbausteinen, manche nur aus 1 oder 2 Zuckerbausteinen (zum Beispiel Fruchtzucker oder Haushaltszucker), andere sind lange Ketten von Zuckerbausteinen (zum Beispiel Stärke). Der Körper wandelt über die Nahrung aufgenommene Kohlenhydrate zu Glukose (1 Zuckerbaustein) um. Die Glukose dient als Energielieferant. Gelangt Glukose ins Blut, steigt der Blutzucker an. Weil beim Typ-1-Diabetes der Kohlenhydratstoffwechsel gestört ist, sollten Betroffene wissen, welche Lebensmittel auf den Blutzucker wirken.

Lebensmittel können bezüglich ihrer Blutzuckerwirksamkeit in vier Kategorien eingeteilt werden:

  • Kohlenhydratreiche Lebensmittel, die den Blutzucker stark erhöhen
    Zu dieser Kategorie gehören Getreideprodukte, Nudeln, Reis, Kartoffeln, Obst, Saft, ausgewählte Milchprodukte sowie gezuckerte Lebensmittel und Getränke. Diese Lebensmittel sollten besonders beachtet werden, wenn der Insulinbedarf für eine Mahlzeit berechnet wird.
  • Kohlenhydrathaltige Lebensmittel, die den Blutzucker nur wenig erhöhen
    Dabei handelt es sich um Hülsenfrüchte (zum Beispiel Bohnen oder Linsen), Nüsse (zum Beispiel Erdnüsse oder Walnüsse) sowie Kerne und Samen (zum Beispiel Kürbiskerne oder Mohn). Diese Lebensmittel enthalten neben teils nur geringen Mengen an Kohlenhydraten, hohe Mengen an Ballaststoffen und Fett. Diese Eigenschaften sorgen dafür, dass die Kohlenhydrate nur langsam ins Blut übergehen. Deshalb müssen die Lebensmittel bei der Berechnung des Insulinbedarfs häufig nicht beachtet werden.

    Bei Hülsenfrüchten oder größeren Mengen Nüssen und Samen sollte dies aber gemeinsam mit dem Diabetes-Team ausgetestet werden, da beispielsweise der erhöhte Fettgehalt zu einem Blutzuckeranstieg führen kann.

Gut zu wissen:

Wenn eine Mahlzeit besonders viel Fett und Eiweiß enthält, kann der Blutzucker verzögert ansteigen.

  • Eiweißreiche und fettreiche Nahrungsmittel, die den Blutzucker nicht oder nur verzögert erhöhen
    Zu dieser Kategorie gehören Fleisch, Quark, Eier, Tofu, Butter, Mayonnaise, Wurst und Käse. Auch diese Kategorie fließt üblicherweise nicht in die Berechnung des Insulinbedarfs ein. Fachleute haben jedoch festgestellt, dass auch Eiweiß und Fett den Blutzuckerspiegel erhöhen können. Häufig deckt aber das für die kohlenhydratreichen Lebensmittel berechnete Insulin diesen Anstieg ab.

    Enthält eine Mahlzeit besonders viel Fett und Eiweiß, kann eine Fett-Protein-Einheit berechnet werden (zum Beispiel bei Pizza). Denn wenn besonders viel Fett und Eiweiß aufgenommen wird, wandelt der Körper einen Teil davon in Zucker um. Deshalb kann der Blutzuckerspiegel 3 bis 5 Stunden nach der Mahlzeit ansteigen. Mit Hilfe des Diabetes-Teams und Nährwerttabellen können Menschen mit Diabetes lernen, eine Fett-Protein-Einheit zu berechnen und dafür Insulin zu spritzen.
     
  • Wasserreiche Lebensmittel, die den Blutzucker nicht erhöhen
    Dabei handelt es sich um Gemüse, Salat und Pilze. Diese Lebensmittel enthalten nur wenige Kohlenhydrate und viele Ballaststoffe, weshalb sie auf den Blutzucker keine wesentliche Wirkung haben. Zudem sind sie nährstoffreich, kalorienarm und tragen zum Sättigungsgefühl bei.

Für Menschen mit Typ-1-Diabetes ist es sehr wichtig, den Kohlenhydratgehalt von Speisen und Getränken richtig abzuschätzen. Der Kohlenhydratgehalt wird in der Regel mit Kohlenhydrateinheiten beschrieben, die Kurzform dafür ist KE. 1 KE entspricht 10 Gramm Kohlenhydraten.

Manchmal wird die Menge der Kohlenhydrate auch in Broteinheiten (BE) angegeben. Eine BE entspricht 12 Gramm Kohlenhydraten. Weil Lebensmittelhersteller BE jedoch nicht mehr kennzeichnen müssen, kann das Rechnen mit KE leichter sein. Denn die Angabe der Kohlenhydratmenge pro 100 Gramm ist auf allen verpackten Lebensmitteln verpflichtend. Die KEs können dann entsprechend der verzehrten Portion berechnet werden.

In Kohlenhydrat- oder Nährwerttabellen können Menschen mit Diabetes nachschlagen, wie viel Gramm Kohlenhydrate in einem Lebensmittel enthalten sind. Dennoch können die Werte auch voneinander abweichen. Gründe dafür sind beispielsweise, dass Früchte je nach Reifegrad unterschiedlich viel Zucker enthalten oder andere Analyseverfahren zur Bestimmung des Zuckergehalts verwendet wurden. Es kann deshalb sinnvoll sein, nur eine Tabelle zu verwenden anstatt zwischen unterschiedlichen Tabellen zu wechseln.

Die genaue Insulindosis, die benötigt wird, um eine KE abzudecken, ist von Mensch zu Mensch verschieden. Alle Betroffenen müssen die Insulindosis mit Hilfe ihres Diabetes-Teams sowie mit Blutzuckerselbstkontrollen für sich herausfinden.

Beispiel für die KE-Berechnung:

Toastbrot enthält 48 g Kohlenhydrate pro 100 g.

Eine Scheibe wiegt 20 g.

20 g sind 1/5 von 100 g.

48 g / 5 = 9,6 g
 

Eine Scheibe Toastbrot enthält 9,6 g Kohlenhydrate. Das entspricht ca. 1 KE.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler konnten bisher keine idealen Kohlenhydratmengen in der Ernährung ermitteln. Dies gilt sowohl für Menschen mit Diabetes als auch für Menschen ohne Diabetes. Einige Fachgesellschaften geben an, dass maximal 60 Prozent der Gesamtenergie über Kohlenhydrate aufgenommen werden sollte.

Doch wichtiger als die Menge sind die Eigenschaften der Lebensmittel mit Kohlenhydraten sowie deren Wirkung auf den Blutzucker. Menschen mit Diabetes sollten Kohlenhydrate aus Gemüse, Hülsenfrüchten und Vollkornprodukten essen. Diese Lebensmittel enthalten unter anderem viele Ballaststoffe, wodurch der Blutzucker langsamer ansteigt. 40 Gramm Ballaststoffe am Tag sollten Menschen mit Diabetes essen. Dies entspricht beispielsweise 5 Portionen Gemüse und Obst (1 Apfel, 1 Schale Himbeeren, Salat, Tomaten, Linsen) sowie 2 bis 3 Scheiben Vollkornbrot.

Gut zu wissen:

Die Empfehlungen zur Aufnahme von Kohlenhydraten und Zucker gelten genauso auch für Menschen ohne Diabetes.

Andererseits sollten weniger Weißmehlprodukte und freie Zucker verzehrt werden. Diese Lebensmittel lassen den Blutzucker schnell ansteigen. Fachgesellschaften empfehlen, nicht mehr als 50 Gramm freien Zucker pro Tag zu essen. Dies entspricht etwa 12 Teelöffeln pro Tag. Mit freiem Zucker ist aller Zucker gemeint, der Speisen und Getränken zugesetzt wird, sowie Zucker, der natürlicherweise in Honig, Sirup, Fruchtsäften und Fruchtsaftkonzentraten enthalten ist.
Achtung: Häufig enthalten verarbeitete Lebensmittel viel Zucker, obwohl sie salzig schmecken.

Zum Süßen von Speisen und Getränken gibt es Alternativen zum herkömmlichen Zucker. Diese Alternativen können in 2 Gruppen eingeteilt werden:

Süßstoffe
Süßstoffe werden künstlich hergestellt. Sie haben keinen Einfluss auf den Blutzucker und liefern keine Energie. Laut Fachgesellschaften können Süßstoffe helfen, ein gesundes Körpergewicht zu erreichen oder zu erhalten, wenn dadurch die Aufnahme von energiereichen zuckerhaltigen Nahrungsmitteln vermindert wird.

Es ist allerdings darauf zu achten, dass die akzeptablen täglichen Aufnahmemengen nicht überschritten werden. Diese Mengen definiert die Europäische Union (EU). Alle Lebensmittelhersteller in der EU müssen sich bei der Verarbeitung von Süßstoffen in Lebensmitteln an diese Höchstmengen halten, sodass hier keine Bedenken bestehen sollten. Beispiele für Süßstoffe sind

  • Cyclamat,
  • Saccharin,
  • Acesulfam,
  • Aspartam oder
  • Stevia.

Für sie muss kein Insulin gespritzt werden.

Zuckeraustauschstoffe
Zuckeraustauschstoffe kommen meist natürlich vor und haben keine Wirkung auf den Blutzucker. Da die meisten Zuckeraustauschstoffe dennoch Kalorien enthalten, sollten sie in großen Mengen vermieden werden. Auch können hohe Mengen vieler Zuckeraustauschstoffe Bauchschmerzen oder Durchfall verursachen. Beispiele für Zuckeraustauschstoffe sind

  • Sorbit,
  • Xylit,
  • Isomalt,
  • Maltit,
  • Laktit oder
  • Erythrit.

Für sie muss kein Insulin gespritzt werden.

Achtung: Auf einer Lebensmittelverpackung werden Zuckeraustauschstoffe dennoch als Kohlenhydrate deklariert. Menschen mit Typ-1-Diabetes sollten genauer hinsehen, ob es sich um blutzuckerwirksame oder -unwirksame Kohlenhydrate handelt. Ist ein Austauschstoff enthalten, muss dieser bei der Berechnung der Insulindosis abgezogen werden.

Der glykämische Index (GI) beschreibt die Wirkung von kohlenhydrathaltigen Nahrungsmitteln auf den Blutzuckerspiegel. Er sagt aus, wie schnell und wie stark der Blutzucker ansteigt, nachdem das Nahrungsmittel gegessen wurde.

Als Richtwert gilt der Blutzuckerspiegel nach Aufnahme von 50 Gramm Traubenzucker, der gleich 100 Prozent gesetzt wird. Beim Vergleich mit anderen Lebensmitteln, wird genau die Lebensmittelmenge verwendet, die ebenfalls 50 Gramm Kohlenhydrate enthalten. Das wären beispielsweise 100 Gramm Linsen oder 60 Gramm Cornflakes. Kohlenhydrathaltige Lebensmittel mit hohem GI (zum Beispiel Weißbrot, Cornflakes, Pommes frites) lassen den Blutzuckerspiegel rasch und hoch ansteigen. Umgekehrt gelangen kohlenhydrathaltige Lebensmittel mit einem niedrigen GI (zum Beispiel Hülsenfrüchte, Gemüse, Vollkornprodukte) langsamer ins Blut, was einen mäßigeren Blutzuckeranstieg zur Folge hat.

Nahrungsmittel mit vielen komplexen Kohlenhydraten und Ballaststoffen haben generell einen niedrigeren GI. Doch auch die Zubereitungsart beeinflusst den GI. Gekochte Möhren haben beispielsweise einen höheren GI als rohe Möhren. Außerdem beeinflussen auch die Beilagen einer Mahlzeit, wie schnell die Kohlenhydrate ins Blut gelangen.

Kohlenhydratreiche Lebensmittel mit niedrigem GI sind eine geeignete Wahl, vorausgesetzt auch die anderen Inhaltsstoffe des jeweiligen Lebensmittels sind gesundheitsförderlich.

Geringe Mengen Alkohol sind für erwachsene Menschen mit Diabetes erlaubt. Alkohol führt jedoch dazu, dass die Leber keinen Zucker mehr ins Blut freisetzt und der Blutzucker absinkt. Somit steigt die Gefahr für eine Unterzuckerung. Deshalb sollte Alkohol nur zusammen mit kohlenhydrathaltigen Mahlzeiten aufgenommen werden. Besondere Vorsicht ist auch bei alkoholischen Getränken nach dem Sport oder zusätzlicher Bewegung geboten – auch hier besteht die Gefahr einer Unterzuckerung.

Das Tageslimit bei Alkohol liegt für Frauen bei 10 Gramm pro Tag, für Männer bei 20 Gramm pro Tag. 20 Gramm Alkohol entsprechen ungefähr einer Flasche Bier (0,5 Liter) oder einem Glas Wein (0,2 Liter).

Die meisten Menschen mit Typ-1-Diabetes bevorzugen die intensivierte Insulintherapie, weil sie ein flexibles Essen und Trinken ermöglicht. Mit Hilfe erlernter Insulinselbstanpassung ist es möglich, die Essenszeiten und Insulingaben beliebig nach Bedarf zu variieren, ohne dass der Blutzuckerspiegel stark schwankt. Für gewählte Mahlzeiten und Kohlenhydratmengen wird rasch wirkendes Insulin so angepasst, dass der Blutzucker im Normbereich bleibt.

Die intensivierte Insulintherapie ermöglicht, dass zum Beispiel Einladungen zum Abendessen, Nachmittagskaffee oder einer Geburtstagsparty einfach spontan wahrgenommen werden können. Es ist auch möglich, eine kleinere Mahlzeit als üblich zu verzehren, wenn man weniger Hunger verspürt, oder das Frühstück am Wochenende später als an den Arbeitstagen einzunehmen.

Hier erfahren Sie mehr zur intensivierten Insulintherapie!

Menschen mit einem Body-Mass-Index über 25 kg/m² gelten als übergewichtig. Ab einem Body-Mass-Index von 30 kg/m² gilt man als krankhaft übergewichtig (adipös). Übergewicht und Adipositas vermindern die Lebensqualität und tragen zur Entstehung vieler Begleit- und Folgeerkrankungen bei.

Um abzunehmen, sollten übergewichtige Menschen weniger Energie zu sich nehmen, als sie verbrauchen. Dafür sollten sie nur wenige energiedichte Lebensmittel mit vielen ungesunden Fetten und freien Zuckern verzehren (zum Beispiel Softdrinks, fettige und süße Backwaren oder Wurstwaren) und sich regelmäßig bewegen.

Nach der Gewichtsabnahme ist es wichtig, dass Gewicht auch zu halten. Neben der Ernährung ist dafür auch Bewegung besonders wichtig.

Hier erfahren Sie mehr über Übergewicht und Adipositas!

Hier erfahren Sie mehr über Sport und Typ-1-Diabetes!

Alle Menschen mit Diabetes sollten an einem Schulungsprogramm teilnehmen. Eine Ernährungsberatung, die individuelle Fragen und Bedürfnisse klärt, sollte Teil dieser Schulung und der medizinischen Betreuung sein. Hier lernen Menschen mit Diabetes ganz genau, wie und warum sich Lebensmittel und Mahlzeiten auf den Blutzucker auswirken. Bei der Suche nach einem geeigneten Programm kann die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt weiterhelfen.

Hier erfahren Sie mehr zu Patientenschulungen!

Hier finden Sie eine Liste mit Anlaufstellen!

Gut zu wissen:

Ernährungsberatung ist Teil jedes Schulungsprogramms für Menschen mit Diabetes.

Quellen:

American Diabetes Association: Standards of medical care in diabetes – 2019. In: Diabetes Care, 2019, 42: S1-S193
Deutsche Diabetes Gesellschaft: Ernährungsempfehlungen zur Behandlung des Diabetes mellitus – Empfehlungen zur Proteinzufuhr. S3-Leitlinie, Version 1.0. 2015
Deutsche Diabetes Gesellschaft & Deutsche Diabetes-Hilfe: Deutscher Gesundheitsbericht Diabetes 2019
Deutsche Gesellschaft für Ernährung: Süßstoffe in der Ernährung (Letzter Abruf: 21.05.2019)
Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) et al.: Diagnostik, Therapie und Verlaufskontrolle des Diabetes mellitus im Kindes- und Jugendalter. S3-Leitlinie. 2015
Deutsche Diabetes Gesellschaft: Therapie des Typ-1-Diabetes. S3-Leitlinie. 2. Auflage. 2018
Mach, R. L.: Alternative Süßungsmittel. In: Aktuelle Ernährungsmedizin, 2018, 43: S50-S54
Schrader, R. et al. (2018): Gut leben mit Typ-1-Diabetes. 9. Auflage. Elsevier, München
Toeller, M. et al.: Evidenz-basierte Ernährungsempfehlungen zur Behandlung und Prävention des Diabetes mellitus. In: Nutrition, Metabolism & Cardiovascular Diseases, 2004, 14: 373-394
Verband der Diabetesberatungs- und Schulungsberufe: Diabetes und Ernährung. 1. Auflage. 2017
Stand: 31.10.2019