LADA – der spät auftretende Diabetes Typ 1

Wissenschaftliche Unterstützung: Prof. Dr. Carolin Daniel

Der Begriff LADA beschreibt eine besondere Diabetes-Form: den verzögert einsetzenden, autoimmun-bedingten Diabetes beim Erwachsenen. Die Abkürzung LADA steht für die englische Bezeichnung „latent autoimmune diabetes in adults“.

Häufig erhalten diese Patientinnen und Patienten anfangs die Diagnose Typ-2-Diabetes. Das Krankheitsbild wird dann nach und nach dem Typ-1-Diabetes immer ähnlicher. Falls Laboruntersuchungen mindestens eine Sorte von Antikörpern gegen körpereigene Strukturen der Bauchspeicheldrüse (Autoantikörper) im Blut zeigen, stellt die Ärztin oder der Arzt die Diagnose LADA – zum Teil erst Jahre nach der Diabetes-Erstdiagnose.

Die Patientinnen und Patienten weisen spezielle Autoantikörper wie bei Typ-1-Diabetes auf, benötigen jedoch in den ersten 6 Monaten nach Diagnosestellung meist noch keine Insulintherapie und sind bereits älter als 35 Jahre.

In der Regel treten bei LADA Autoantikörper gegen das Enzym Glutamat-Decarboxylase (sogenannte GAD-Antikörper) auf.

Meist sind die Betroffenen schlanker als Menschen mit Typ-2-Diabetes, zeigen jedoch auch Hinweise auf ein metabolisches Syndrom wie Fettstoffwechselstörungen (Hyperlipidämie, erhöhte Triglyceride) und Bluthochdruck. Häufiger als Menschen mit klassischem Typ-1-Diabetes tragen sie Risikogene für Typ-2-Diabetes.

Typ-1- oder Typ-2-Diabetes – in der Regel ist die Zuordnung zu einem dieser Krankheitsbilder relativ eindeutig. Es gibt jedoch auch Patientinnen oder Patienten, bei denen die Diagnose nicht so leicht fällt. Die korrekte Zuordnung ist aber wichtig, um die bestmögliche Behandlung für die einzelnen Personen einzuleiten.

Zunehmend überschneiden sich die Erscheinungsbilder von Typ-1- und Typ-2-Diabetes: der sogenannte „Altersdiabetes“ vom Typ-2 tritt immer häufiger bereits bei jüngeren Erwachsenen oder sogar bei Kindern auf. Typ-1-Diabetes schützt nicht vor Übergewicht und damit einhergehend vor einer Insulinresistenz und der zusätzlichen Entwicklung eines Typ-2-Diabetes.

Trotzdem sprechen Ärztinnen und Ärzte nicht von einer Art „Mischdiabetes“ als neuem Krankheitsbild; offiziell gibt es die Diagnose einer Mischform nicht. Man geht davon aus, dass es sich um 2 gleichzeitig vorliegende Krankheitsbilder handelt, die sich parallel entwickeln. Die Abläufe im Körper, die zu den jeweiligen Symptomen führen, sind klar voneinander zu trennen und bei der Behandlung zu berücksichtigen.

Erhalten Erwachsene die Diagnose Diabetes, findet man LADA etwa 3-mal häufiger als den klassischen Typ-1-Diabetes.

Die Definition eines LADA bleibt auch heute noch unscharf. Er ist abzugrenzen vom klassischen Typ-1-Diabetes. Typ-1-Diabetes ist eine Autoimmunerkrankung, bei welcher vom körpereigenen Immunsystem nach und nach die insulinproduzierenden Betazellen in der Bauchspeicheldrüse zerstört werden. Im Blut von Menschen mit Typ-1-Diabetes sind 2 oder mehr Arten von Insel-Autoantikörpern nachweisbar. Die Betroffenen müssen von Diagnosestellung an Insulin spritzen.

Falsche Ernährung, Bewegungsmangel und stetig steigende Insulindosen können auch bei Menschen mit Typ-1-Diabetes im Verlauf von Jahren zu Fettleibigkeit und Typ-2-Diabetes führen. Typ-2-Diabetes entsteht anders als Typ-1-Diabetes eher in höherem Alter, häufig durch Überernährung und Bewegungsmangel und basiert auf einer Insulinresistenz.

Einheitliche Kriterien zur Feststellung der LADA-Erkrankung gibt es nicht. Fachleute empfehlen, folgende Parameter als diagnostische Entscheidungshilfe heranzuziehen:

  • das Alter bei Beginn der Erkrankung
  • den Body-Mass-Index (BMI)
  • Antikörper gegen Glutamat-Decarboxylase (GAD)
  • HbA1c als Blutzucker-Langzeitwert und den HOMA-Index (Homeostasis Model Assessment) zum Nachweis einer möglichen Insulinresistenz

Bedeutet ein positiver Antikörper-Befund gegen das Enzym Glutamat-Decarboxylase (GAD) in jedem Fall, dass der Patient oder die Patientin – früher oder später – mit einer Insulintherapie beginnen muss?

Verschiedene Faktoren spielen hierbei eine Rolle: Im Allgemeinen benötigen jüngere, schlankere Menschen mit einem Body-Mass-Index (BMI) von weniger als 25 kg/m2, einem höheren Blutzucker-Langzeitwert (HbA1c) sowie einer bestimmten genetischen Hochrisiko-Komponente früher Insulin. Zudem spielen die Höhe der GAD-Antikörper-Konzentration, das Vorliegen weiterer Autoimmunmarker und das Ausmaß der Insulin-Restausschüttung eine Rolle.

Insulintherapie bei LADA 

Im Durchschnitt beginnen 70 Prozent der LADA-Betroffenen, die jünger sind als 45 Jahre, innerhalb von 6 Jahren nach der Diagnose mit einer Insulintherapie. Sind die Patientinnen oder Patienten älter als 45 Jahre, werden im Schnitt nur noch 40 Prozent von ihnen insulinpflichtig.

Ist die Konzentration der GAD-Antikörper relativ niedrig und liegen keine weiteren Insel-Autoantikörper vor, kann man davon ausgehen, dass die Betazellmasse des Körpers noch ausreicht, um weiterhin genügend Insulin zu produzieren. In diesen Fällen sollte es genügen, den Blutzuckerspiegel engmaschig zu überwachen und – falls notwendig – antidiabetische Medikamente einzunehmen. Auch eine Ernährungsumstellung kann hilfreich sein.

Ähnlich wie beim klassischen Typ-2-Diabetes sollte der Arzt oder die Ärztin gemeinsam mit den Patientinnen und Patienten individuelle Therapieziele vereinbaren. Die sogenannten Inkretin-basierten Medikamente könnten helfen, den Blutzuckerspiegel ohne Gefahr von Unterzuckerungen zu kontrollieren und eine Gewichtszunahme zu vermeiden. Zu dieser Medikamentengruppe gehören GLP-1-Analoga, die die Wirkung des Darmhormons GLP-1 nachahmen. Das Hormon GLP-1 steuert die Insulinausschüttung nach den Mahlzeiten.

Bisher gibt es jedoch noch keine ausreichenden Daten zur Wirksamkeit von Metformin und anderen Typ-2-Diabetes-Medikamenten bei der Behandlung des LADA. Forschungsansätze einer frühen „Impfung“ mit Aluminium-gebundenem GAD (Enzym Glutamat-Decarboxylase), das unter die Haut gespritzt wurde, erbrachten keinen positiven Effekt.

Quellen:

Deutsche Diabetes Gesellschaft: S3-Leitlinie Therapie des Typ-1-Diabetes. 2. Auflage. 2018
Hawa, M. I. et al.: Adult-Onset Autoimmune Diabetes in Europe is Prevalent with a broad Clinical Phenotype. In: Diabetes Care, 2013, 36: 908-913
Hummel, M. et al.: Typ-1-Diabetes, LADA oder „Doppeldiabetes“? In: MMW Fortschritte der Medizin, 2017, 8: 159
Johansen, O. E. et al.: C-Peptide Levels in Latent Autoimmune Diabetes in Adults Treated With Linagliptin Versus Glimepiride: Exploratory results from a 2-year, double-blind, randomised, controlled study. In: Diabetes Care, 2014, 37: e11-e12
Krause, S. et al.: GAD Autoantibody Affinity in Adult Patients with latent Autoimmune Diabetes, the Study Participants of a GAD65 Vaccination Trial. In: Diabetes Care, 2014, 37: 1675-1680
Tuomi, T. et al.: The many faces of diabetes: A disease with increasing heterogeneity. In: Lancet, 2014, 383: 1084-1094
Williams, A. J. K. et al.: Detection of Antibodies directed to the N-Terminal Region of GAD is dependent on Assay Format and Contributes to Differences in the Specificity of GAD Autoantibody Assays for Type 1 Diabetes. In: Diabetes, 2015, 64: 3239-3246
Zaharia, O. P. et al.: Metabolic Characteristics of Recently Diagnosed Adult-Onset Autoimmune Diabetes Mellitus. In: J Clin Endocrinol Metab, 2018, 103: 429-437
Zampetti, S. et al.: High GADA titer increases the risk of insulin requirement in LADA patients: a 7-year follow-up (NIRAD study 7). In: Eur J Endocrinol, 2014, 171: 697-704
Zhao, Y. et al.: Dipeptidyl peptidase 4 inhibitor sitagliptin maintains β-cell function in patients with recent-onset latent autoimmune diabetes in adults: one year prospective study. In: J Clin Endocrinol Metab, 2014, 99: E876-E880
Stand: 31.10.2019