Bewegung bei Diabetes Typ 2

Wissenschaftliche Unterstützung: Dr. Dominik Pesta

Bewegung hilft nicht nur einem Typ-2-Diabetes vorzubeugen, sondern wirkt auch positiv, wenn man bereits erkrankt ist. Durch Bewegung verbessert sich die Empfindlichkeit der Körperzellen für Insulin, sodass mehr Zucker aus dem Blut in die Zellen aufgenommen wird. Dadurch sinkt der Blutzuckerspiegel. Außerdem kann der HbA1c-Wert, auch als Blutzucker-Langzeitwert bekannt, durch regelmäßige Bewegung gesenkt werden.

Neben den positiven Effekten auf die Diabetes-Erkrankung fördert Bewegung durch einen höheren Energieverbrauch die Gewichtskontrolle und senkt den Blutdruck. Dies wirkt sich positiv auf die Entstehung und Entwicklung von Folgeerkrankungen, wie zum Beispiel Herz-Kreislauf-Erkrankungen, aus. Insgesamt unterstützt regelmäßige Bewegung einen gesunden Lebensstil und kann zusätzlich zu einem gesteigerten Wohlbefinden, sozialen Kontakten und einem gestärkten Selbstwertgefühl beitragen.

Generell gilt, dass jede zusätzliche Bewegung mit einem gesundheitlichen Nutzen verbunden ist. Gemäß aktuellen Empfehlungen sollen sich Erwachsene mit Diabetes mindestens 150 Minuten mit moderater oder 75 Minuten mit höherer Intensität pro Woche bewegen, zum Beispiel Fahrradfahren, Joggen oder Schwimmen. Bei mittlerer Intensität ist die Atmung beschleunigt, es kann aber noch gesprochen werden. Bei höherer Intensität muss man deutlich mehr Atmen, es sind daher nur kurze Wortwechsel möglich. Zusätzlich sollten sitzende Phasen insgesamt reduziert und möglichst alle 30 Minuten zumindest kurz unterbrochen werden.

Gut zu wissen:

Mindestens 150 Minuten Bewegung mit moderater Intensität pro Woche werden empfohlen.

Zunächst sollte die Alltagsaktivität (zum Beispiel Treppensteigen, Spazierengehen und Gartenarbeit) gesteigert werden. Bei einem Sportprogramm ist primär eine Verbesserung der Ausdauerleistungsfähigkeit im aeroben Trainingsbereich mit einer mittleren Intensität anzustreben.

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Welche Sportarten sind für Menschen mit Diabetes Typ 2 geeignet?

Geeignete Sportarten sind zum Beispiel Nordic-Walking, schnelles Gehen/Walken, Bergwandern, Skiwandern, Schwimmen, Tanzen oder Radfahren. Alternativ empfehlen Expertinnen und Experten ein Krafttraining oder kombiniertes Kraft-/Ausdauerprogramm für die großen Muskelgruppen, zum Beispiel Oberschenkel oder Rücken. 

Menschen mit Typ-2-Diabetes in der 2. Lebenshälfte (ab 40 Jahren oder älter) sollten zusätzlich besonders Geschicklichkeit, Reaktionsfähigkeit, Koordination, Gelenkigkeit und Beweglichkeit fördern, um das Risiko von Stürzen zu senken. Dazu eignen sich Sportarten, wie zum Beispiel Yoga oder Tai-Chi. Bei körperlichen Einschränkungen oder Gelenkbeschwerden ist auch ein sogenanntes Hockertraining möglich, das verschiedene Übungen im Sitzen vorsieht.

Hier finden Sie verschiedene Trainingspläne, um entweder mit dem Sport zu beginnen, oder um etwas Abwechslung in den bestehenden Trainingsablauf zu bekommen. Viel Spaß beim Ausprobieren!

Gut zu wissen:

Jede Bewegung ist besser als keine Bewegung. Das Wichtigste dabei: Es sollte Spaß machen.

Von den positiven Effekten der Bewegung auf das Herz-Kreislauf-System, Muskeln, Gelenke und Wohlbefinden profitieren alle Menschen. Zusätzlich unterstützt regelmäßige Bewegung aber auch den Nutzen einer Typ-2-Diabetes-Therapie:

  • Steigerung der Lebensqualität
  • Vorübergehende Erhöhung der Insulinempfindlichkeit und Senkung des Blutzuckerspiegels
  • Reduzierung des Risikos für Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Verbesserung der Beweglichkeit und der allgemeinen Körperfunktionen (Kraft, Ausdauer)
  • Verbesserung von Schlafapnoe und Depression

Für Neu- und Wiedereinsteiger nach längerer Sportpause ist es ratsam, die Sporttauglichkeit mit einem behandelnden Arzt oder einer Ärztin zu besprechen, um mögliche Risiken abzuklären. Insbesondere Patientinnen und Patienten, die blutzuckersenkende Medikamente wie Sulfonylharnstoffe oder Glinide einnehmen oder Insulin spritzen, sollten vorsichtig sein, da diese Arzneimittel Unterzuckerungen hervorrufen können, die im Zusammenhang mit Sport möglicherweise noch verstärkt werden können.

Außerdem sollte man bei der Wahl der Sportart eventuell bestehende Diabetes-Komplikationen berücksichtigen. Bei einer vorliegenden diabetischen Augenerkrankung können besonders Krafttraining und Kampfsportarten potenziell schädlich sein. Übergewichtige Personen und Diabetes-Patientinnen und -Patienten mit einer Nervenerkrankung sollten gelenkschonende Sportarten, wie zum Beispiel Schwimmen, Wassergymnastik oder Fahrradfahren, bevorzugen und auf ein geeignetes Schuhwerk achten.

Durch Bewegung sinkt der Insulinbedarf der Körperzellen, sodass je nach Intensität und Dauer der Aktivität eine Anpassung der Insulindosis und/oder der Kohlenhydratzufuhr erfolgen muss. Gleichzeitig kann ein zu niedriger Insulinspiegel zu einem Insulinmangel führen, wodurch der Zucker aus dem Blut nicht mehr in die Muskeln aufgenommen werden und eine Überzuckerung entstehen kann. Um starke Blutzuckerschwankungen zu verhindern, ist eine engmaschige Kontrolle des Blutzuckers vor, während und nach der Bewegung notwendig. Dabei ist zu beachten, dass auch Unterzuckerungen noch mehrere Stunden nach der körperlichen Aktivität auftreten können. 

Neben dem Equipment für die Blutzuckermessung, sollten Menschen mit Diabetes immer kohlenhydrathaltige Lebensmittel, wie zum Beispiel Traubenzucker oder Saft, sowie schnell wirksames Insulin und Glukagon bei sportlichen Aktivitäten griffbereit haben. Zusätzlich ist es ratsam, bestimmte Person in der Sportgruppe über die eigene Diabetes-Erkrankung zu informieren. Eine erfahrene Ärztin oder ein erfahrener Arzt oder eine Diabetesberaterin beziehungsweise ein Diabetesberater kann hier nützliche Tipps und Hilfestellung bieten! 

Quellen:

American Diabetes Association: Standards of medical care in diabetes – 2019. In: Diabetes Care, 2019,  42(Suppl 1): S1-S193
Bundesärztekammer (BÄK) et al.: Nationale Versorgungsleitlinie Therapie des Typ-2-Diabetes. 1. Auflage. Version 4. Gültigkeit abgelaufen. In Überprüfung. 2013
Esefeld, K. et al.: Diabetes, Sport und Bewegung. In: Diabetologie und Stoffwechsel, 2018, 13: S199–S204
Landgraf, R. et al.: Therapie des Typ-2-Diabetes. In: Diabetologie, 2018; 13: S144–S165
Lean, M. E. et al.: Primary care-led weight management for remission of type 2 diabetes (DiRECT): an open-label, cluster-randomised trial. In: Lancet, 2018, 391: 541-551
Pfeifer, K. et al.: Empfehlungen für Bewegung. In: A. Rütten, & K. Pfeifer (Hrsg.), Nationale Empfehlungen für Bewegung und Bewegungsförderung, 2016 (S. 17-64). Erlangen-Nürnberg: FAU
Pedersen, B. K. et al.: Exercise as medicine – evidence for prescribing exercise as therapy in 26 different chronic diseases. In: Scandinavian Journal of Medicine & Science in Sports, 2015, 25: 1-72
Thurm, U. et al.: Diabetes- und Sportfibel. 4. Auflage. Mainz: Verlag Kirchheim + Co GmbH 2018
Stand: 04.12.2019