Diabetes Typ 2: Ernährung

Wissenschaftliche Unterstützung: Theresa Kössler

Eine Ernährungsumstellung ist gemeinsam mit Bewegung die Basis der Behandlung von Typ-2-Diabetes. Diese Basis-Behandlung reicht zu Beginn der Krankheit oft aus, sodass Menschen mit Typ-2-Diabetes gar keine Medikamente einnehmen müssen. Besonders übergewichtige Menschen mit Typ-2-Diabetes sollten Ihr Gewicht reduzieren und profitieren von einer ausgewogeneren Ernährung und mehr Bewegung.

Eine spezielle Diabetes-Diät oder besondere Lebensmittel sind generell nicht nötig. Stattdessen eignet sich, wie auch für Menschen ohne Diabetes, eine individuell angepasste, ausgewogene vollwertige Mischkost für Menschen mit Diabetes.

Menschen mit Typ-2-Diabetes sollten die täglichen Mahlzeiten so umstellen und gestalten, dass sie in den eigenen Alltag gut integriert werden können. Jeder Mensch hat einen anderen Geschmack, finanzielle Möglichkeiten oder eine andere Kultur. Am besten holen sich Menschen mit Typ-2-Diabetes für eine Ernährungsumstellung Rat bei einer Ärztin oder einem Arzt beziehungsweise bei einer qualifizierten oder zertifizierten Ernährungsberatung.

Der Spaß und Genuss am Essen sollte nicht verloren gehen, damit die Ernährungsumstellung auch langfristig umgesetzt wird. Denn kurze Diäten sind meist nicht erfolgreich.

Wie er­näh­re ich mich mit ei­nem Dia­be­tes Typ 2 rich­tig?

Die Ernährung bei Typ-2-Diabetes sollte immer ausgewogen und abwechslungsreich sein und nährstoffreiche, wenig-verarbeitete Lebensmittel mit vielen Ballaststoffen enthalten. Sehr energiereiche Lebensmittel mit zugesetzten Zuckern sowie stark-verarbeitete Getreideprodukte, sogenanntes raffiniertes Getreide, sollten hingegen möglichst vermieden werden.

Wie auch für Menschen ohne Diabetes eignen sich verschiedene Ernährungsformen für Menschen mit Diabetes. Neben einer vollwertigen Mischkost, deren Hauptkomponenten Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte, Nüsse, Samen, Vollkornprodukte, fettarme Milch- und Fleischprodukte sowie Fisch bilden, stellen auch kohlenhydrat- oder fettreduzierte Ernährungskonzepte sowie die sogenannte Mittelmeer-Diät oder eine vegetarische beziehungsweise vegane Ernährungsweise mögliche Optionen dar. Bisher konnte jedoch nicht eindeutig geklärt werden, ob eine bestimmte Ernährungsform für Menschen mit Diabetes langfristig besonders geeignet ist.

Eine Orientierung, wie sich eine ausgewogene und vollwertige Ernährung umsetzen lässt, liefert beispielsweise die Deutsche Gesellschaft für Ernährung in ihren 10 Regeln zum Thema „Vollwertiges Essen und Trinken“. Erfahren Sie mehr in der nachfolgenden Klickstrecke.

Lebensmittelvielfalt genießen

Lebensmittelvielfalt genießen

Nutzen Sie die Lebensmittelvielfalt und essen Sie abwechslungsreich. Wählen Sie überwiegend pflanzliche Lebensmittel.

Gemüse und Obst – nimm „5 am Tag“

Gemüse und Obst – nimm „5 am Tag“

Genießen Sie mindestens 3 Portionen Gemüse und 2 Portionen Obst am Tag. Zur bunten Auswahl gehören auch Hülsenfrüchte wie Linsen, Kichererbsen und Bohnen sowie (ungesalzene) Nüsse.

Vollkorn wählen

Vollkorn wählen

Bei Getreideprodukten wie Brot, Nudeln, Reis und Mehl ist die Vollkornvariante die beste Wahl für Ihre Gesundheit.

Mit tierischen Lebensmitteln die Auswahl ergänzen

Mit tierischen Lebensmitteln die Auswahl ergänzen

Essen Sie Milch und Milchprodukte wie Joghurt und Käse täglich, Fisch 1- bis 2-mal pro Woche. Wenn Sie Fleisch essen, dann nicht mehr als 300 bis 600 Gramm pro Woche.

Gesundheitsfördernde Fette nutzen

Gesundheitsfördernde Fette nutzen

Bevorzugen Sie pflanzliche Öle wie beispielsweise Rapsöl und daraus hergestellte Streichfette. Vermeiden Sie versteckte Fette. Fett steckt oft „unsichtbar“ in verarbeiteten Lebensmitteln wie Wurst, Gebäck, Süßwaren, Fast-Food und Fertigprodukten.

Zucker und Salz einsparen

Zucker und Salz einsparen

Mit Zucker gesüßte Lebensmittel und Getränke sind nicht empfehlenswert. Vermeiden Sie diese möglichst und setzen Sie Zucker sparsam ein. Sparen Sie Salz und reduzieren Sie den Anteil salzreicher Lebensmittel. Würzen Sie kreativ mit Kräutern und Gewürzen.

Am besten Wasser trinken

Am besten Wasser trinken

Trinken Sie rund 1,5 Liter jeden Tag. Am besten Wasser oder andere kalorienfreie Getränke wie ungesüßten Tee. Zuckergesüßte und alkoholische Getränke sind nicht empfehlenswert.

Schonend zubereiten

Schonend zubereiten

Garen Sie Lebensmittel so lange wie nötig und so kurz wie möglich, mit wenig Wasser und wenig Fett. Vermeiden Sie beim Braten, Grillen, Backen und Frittieren das Anbrennen von Lebensmitteln.

Achtsam essen und genießen

Achtsam essen und genießen

Gönnen Sie sich eine Pause für Ihre Mahlzeiten und lassen Sie sich Zeit beim Essen.

Auf das Gewicht achten und in Bewegung bleiben

Auf das Gewicht achten und in Bewegung bleiben

Vollwertige Ernährung und körperliche Aktivität gehören zusammen. Dabei ist nicht nur regelmäßiger Sport hilfreich, sondern auch ein aktiver Alltag, indem Sie zum Beispiel öfter zu Fuß gehen oder Fahrrad fahren.

Übergewicht und Adipositas tragen zur Entstehung von Typ-2-Diabetes bei. Deshalb sollten übergewichtige Menschen mit einem Typ-2-Diabetes etwa 5 bis 10 Prozent ihres Ausgangsgewichts abnehmen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler konnten in vielen Studien zeigen, dass Menschen mit Typ-2-Diabetes und Übergewicht durch den Gewichtsverlust ihre Blutzuckerwerte deutlich verbessern können. Manchmal erreichen die Werte wieder den Normbereich, sodass Medikamente dann nicht mehr nötig sind.

Um abzunehmen, sollten übergewichtige Menschen weniger Energie zu sich nehmen, als sie verbrauchen. Dafür sollten sie nur wenige energiedichte Lebensmittel mit vielen ungesunden Fetten und freien Zuckern verzehren (zum Beispiel Softdrinks, Fertigprodukte, fettige und süße Backwaren oder Wurstwaren). Zusätzlich sollte, wenn möglich, auf Alkohol verzichtet werden.

Nach der Gewichtsabnahme ist es wichtig, dass Gewicht auch zu halten. Neben der Ernährung ist dafür auch Bewegung besonders wichtig.

Hier erfahren Sie mehr über Übergewicht und Adipositas!

Hier erfahren Sie mehr über Bewegung!

Gut zu wissen:

Eine 160 Zentimeter große und 70 Kilogramm schwere Frau, sollte mindestens 3,5 bis 7 Kilogramm Gewicht abnehmen. Das entspricht 5 bis 10 Prozent ihres Ausgangsgewichts.

Eine ausgewogene Ernährung versorgt den Körper mit lebenswichtiger Energie und Nährstoffen und steigert die Lebensqualität. Vitamine und Mineralstoffe tragen dazu bei, dass wir uns fit fühlen und viele Vorgänge im Körper richtig funktionieren. Sekundäre Pflanzenstoffe aus Obst und Gemüse unterstützen zum Beispiel das Immunsystem. Ballaststoffe sorgen unter anderem für eine gute Verdauung. Manche Fette (zum Beispiel aus fettem Seefisch oder Leinsamen) unterstützen unsere Denkprozesse.

Bei der Therapie von Typ-2-Diabetes ist Ernährung die Basis und erleichtert den Umgang mit der Erkrankung. Außerdem können Menschen mit Typ-2-Diabetes gerade zu Beginn der Diabetes-Erkrankung durch Ernährungsmaßnahmen gemeinsam mit Bewegung ihren Blutzucker in den Griff bekommen. Das reicht dann zur Behandlung oft schon aus, ohne dass Medikamente eingenommen werden müssen.

Durch eine ausgewogene, abwechslungsreiche Ernährung können Menschen mit Typ-2-Diabetes auch dem Risiko für andere Folge- und Begleiterkrankungen vorbeugen, darunter Nervenerkrankungen, Herzinfarkt oder das Diabetische Fußsyndrom. Auch erhöhte Blutfette und hoher Blutdruck, die häufig gemeinsam mit einem Typ-2-Diabetes auftreten, verbessern sich durch die richtige Ernährung.

Hier erfahren Sie mehr zu den Folgeerkrankungen des Typ-2-Diabetes!

Nach aktuellem Wissensstand kann keine bestimmte Ernährungsform oder Diät für Menschen mit Diabetes empfohlen werden. Eine Auswahl verschiedener Ernährungsweisen ist bei Menschen mit Diabetes sowie auch für Personen ohne Diabetes möglich.

Die Diabetes-Fachgesellschaften gehen derzeit davon aus, dass es kein Ernährungsmuster gibt, das für alle Menschen mit Diabetes gleich gut geeignet ist. Welche Ernährung sich bei Diabetes am besten eignet, scheint von Mensch zu Mensch verschieden zu sein. Deswegen wird eine individuell zugeschnittene Ernährungsberatung für Menschen mit Diabetes empfohlen. In diesem Rahmen kann ein an die Diabetes-Therapie sowie die persönlichen Vorlieben und Alltagsgegebenheiten angepasstes Ernährungskonzept aufgestellt werden, dass sich für jede beziehungsweise jeden Einzelnen im Alltag umsetzen lässt.

Laut der aktuellen Datenlage scheint eine kohlenhydratreduzierte Ernährung am ehesten zu einer Verbesserung des Zuckerstoffwechsels beizutragen. Eine Ernährung mit weniger Kohlenhydraten lässt sich durch verschiedene Ernährungsmuster umsetzen. Die Deutsche Diabetes Gesellschaft weist jedoch darauf hin, dass man sich nicht allein auf das Mengenverhältnis der Hauptnährstoffe – Kohlenhydrate, Fett und Eiweiß – beziehen sollte. Auch die Zusammensetzung der Nährstoffe beziehungsweise die Eigenschaften von Lebensmitteln spielen eine entscheidende Rolle. Dabei sind speziell die Zusammensetzung des Fettgehaltes, der Anteil an Ballaststoffen und die Wirkung von kohlenhydrathaltigen Lebensmitteln auf den Blutzuckerspiegel bei der jeweiligen Ernährung zu berücksichtigen.

Spezielle Lebensmittel für Menschen mit Diabetes sind nicht erforderlich. Sie enthalten oft bestimmte Zuckeraustauschstoffe, wie beispielsweise Fruktose. Diese Stoffe haben den gleichen Energiegehalt wie gewöhnlicher Zucker und bieten dadurch keine Vorteile. Zusätzlich können diese Produkte viel Fett und dadurch mehr Energie als normale Lebensmittel enthalten. Deshalb ist es seit 2012 in Deutschland nicht mehr erlaubt, spezielle Lebensmittel für Menschen mit Diabetes zu verkaufen.

Kohlenhydrate sind neben Fett und Eiweiß wichtige Energielieferanten für den menschlichen Körper. Alle Kohlenhydrate bestehen aus Zuckerbausteinen, manche nur aus 1 oder 2 Zuckerbausteinen (zum Beispiel Fruchtzucker und Haushaltszucker), andere sind lange Ketten von Zuckerbausteinen (zum Beispiel Stärke). Der Körper wandelt über die Nahrung aufgenommene Kohlenhydrate zu Glukose (1 Zuckerbaustein) um und gewinnt daraus Energie.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler konnten bisher keine idealen Kohlenhydratmengen in der Ernährung ermitteln. Dies gilt sowohl für Menschen mit Diabetes als auch für Menschen ohne Diabetes. Die Deutsche Diabetes Gesellschaft gibt an, dass 45 bis 60 Prozent der Gesamtenergie über Kohlenhydrate aufgenommen werden kann. Allerdings wird diese Empfehlung von vielen Studien als zu hoch angesehen.

Die aktuelle Datenlage deutet darauf hin, dass eine kohlenhydratreduzierte Ernährung am ehesten zu einer Verbesserung des Zuckerstoffwechsels beitragen kann. Vor diesem Hintergrund könnte für ausgewählte Personen mit Typ-2-Diabetes, die zum Beispiel ihre Blutzuckerzielwerte nicht erreichen, eine Ernährungsform mit weniger Kohlenhydraten eine mögliche Option sein. Je nach Definition zeichnet sich eine moderate kohlenhydratreduzierte Ernährung durch einen Anteil von 26 bis 45 Prozent Kohlenhydrate an der Gesamtenergiezufuhr aus.

Die Deutsche Diabetes Gesellschaft empfiehlt jedoch langfristig nicht speziell die Zufuhr von einem Hauptnährstoff in der Ernährung zu begrenzen. Auch betont sie, dass die Zusammensetzung der Nährstoffe beziehungsweise die Eigenschaften von Lebensmitteln, wie zum Beispiel Fettsäuremuster oder Ballaststoffanteil, wichtiger sind als ihre prozentual aufgenommene Menge.

Menschen mit Diabetes sollten Kohlenhydrate aus Gemüse, Hülsenfrüchten, frischem Obst und Vollkornprodukten essen. Diese Lebensmittel enthalten unter anderem viele Ballaststoffe, wodurch der Blutzucker langsamer ansteigt. Menschen mit Diabetes sollten am Tag etwa 40 Gramm Ballaststoffe essen. Dies entspricht beispielsweise 5 Portionen Obst und Gemüse (1 großer Apfel, 1 Schale Himbeeren, Salat, Kartoffeln als Beilage und so weiter) sowie 2 bis 3 Scheiben Vollkornbrot.

Gut zu wissen:

Wichtiger als die Menge sind die Eigenschaften der kohlenhydratreichen Lebensmittel.

Andererseits sollten Menschen mit Diabetes weniger Weißmehlprodukte und freie Zucker essen. Diese Lebensmittel lassen den Blutzucker schnell ansteigen. Fachgesellschaften empfehlen, nicht mehr als 50 Gramm freien Zucker pro Tag zu essen. Dies entspricht etwa 12 Teelöffeln pro Tag. Mit freiem Zucker ist aller Zucker gemeint, der Speisen und Getränken zugesetzt wird, sowie Zucker, der natürlicherweise in Honig, Sirup, Fruchtsäften und Fruchtsaftkonzentraten enthalten ist.

Achtung: Häufig enthalten verarbeitete Lebensmittel viel Zucker, obwohl sie salzig schmecken.

Zum Süßen von Speisen und Getränken gibt es Alternativen zum herkömmlichen Zucker. Diese Alternativen können in 2 Gruppen eingeteilt werden:

Süßstoffe

Süßstoffe werden künstlich hergestellt. Sie haben keinen Einfluss auf den Blutzucker und liefern keine Energie. Laut Fachgesellschaften können Süßstoffe helfen, ein gesundes Körpergewicht zu erreichen oder zu erhalten, wenn dadurch die Aufnahme von energiereichen zuckerhaltigen Nahrungsmitteln vermindert wird.

Es ist allerdings darauf zu achten, dass die akzeptablen täglichen Aufnahmemengen nicht überschritten werden. Diese Mengen definiert die Europäische Union (EU). Alle Lebensmittelhersteller in der EU müssen sich bei der Verarbeitung von Süßstoffen in Lebensmitteln an diese Höchstmengen halten, sodass hier keine Bedenken bestehen sollten. Beispiele für Süßstoffe sind Cyclamat, Saccharin, Acesulfam, Aspartam oder Stevia.

Zuckeraustauschstoffe

Zuckeraustauschstoffe kommen meist natürlich vor und haben keine Wirkung auf den Blutzucker. Da der Großteil der Zuckeraustauschstoffe dennoch Kalorien enthält, sollten sie in großen Mengen vermieden werden. Auch können hohe Mengen vieler Zuckeraustauschstoffe Bauchschmerzen oder Durchfall verursachen. Beispiele für Zuckeraustauschstoffe sind Sorbit, Xylit, Isomalt, Maltit oder Laktit.

Achtung: Auf einer Lebensmittelverpackung werden Zuckeraustauschstoffe dennoch als Kohlenhydrate deklariert. Menschen, die mit einer Insulintherapie behandelt werden, sollten genauer hinsehen, ob es sich um blutzuckerwirksame oder -unwirksame Kohlenhydrate handelt. Ist ein Austauschstoff enthalten, muss dieser bei der Berechnung der Insulindosis abgezogen werden.

Der glykämische Index (GI) beschreibt die Wirkung von kohlenhydrathaltigen Nahrungsmitteln auf den Blutzuckerspiegel. Er sagt aus, wie schnell und wie stark der Blutzucker ansteigt, nachdem das Nahrungsmittel gegessen wurde.

Als Richtwert gilt der Blutzuckerspiegel nach Aufnahme von 50 Gramm Traubenzucker, der gleich 100 Prozent gesetzt wird. Beim Vergleich mit anderen Lebensmitteln, wird genau die Lebensmittelmenge verwendet, die ebenfalls 50 Gramm Kohlenhydrate enthalten. Das wären beispielsweise 100 Gramm Linsen oder 60 Gramm Cornflakes. Kohlenhydrathaltige Lebensmittel mit hohem GI (zum Beispiel Weißbrot, Cornflakes, Pommes frites) lassen den Blutzuckerspiegel rasch und hoch ansteigen. Umgekehrt gelangen kohlenhydrathaltige Lebensmittel mit einem niedrigen GI (zum Beispiel Hülsenfrüchte, Gemüse, Vollkornprodukte) langsamer ins Blut, was einen mäßigeren Blutzuckeranstieg zur Folge hat.

Um die Wirkung eines kohlenhydrathaltigen Lebensmittels auf den Blutzuckerspiegel in Bezug auf die zugeführte Kohlenhydratmenge einschätzen zu können, wird häufig auch die glykämische Last (GL) berechnet. Sie stellt einen Anhaltspunkt für die Blutzuckerantwort auf eine Portion des kohlenhydrathaltigen Lebensmittels dar. Die GL ergibt sich aus dem Produkt von GI und der verwertbaren Kohlenhydratmenge (in Gramm) pro Lebensmittelportion, geteilt durch 100.

Gut zu wissen:

Formel zur Berechnung der glykämischen Last (GL):

So haben beispielsweise Baguette und Möhren einen ähnlichen GI. Durch den hohen Anteil an Ballaststoffen und dem daraus folgend geringeren Anteil an verwertbaren Kohlenhydraten, ist die GL von Möhren aber deutlich geringer im Vergleich zur GL von Baguette.

Nahrungsmittel mit vielen komplexen Kohlenhydraten und Ballaststoffen haben generell einen niedrigeren GI. Doch auch die Zubereitungsart beeinflusst den GI. Gekochte Möhren haben beispielsweise einen höheren GI als rohe Möhren. Außerdem beeinflussen auch die Beilagen einer Mahlzeit, wie schnell die Kohlenhydrate ins Blut gelangen.

Kohlenhydratreiche Lebensmittel mit niedrigem GI sind eine geeignete Wahl, vorausgesetzt auch die anderen Inhaltsstoffe des jeweiligen Lebensmittels sind gesundheitsförderlich.

Kleine Schritte machen den Start häufig leichter als eine radikale Veränderung. Nach und nach können neue Schritte eingeleitet werden, bis das gewünschte Ziel erreicht ist. Ziel der Ernährungstherapie bei Diabetes mellitus ist eine individuell angepasste, ausgewogene Mischkost, die den individuellen Nährstoffbedarf deckt und zu einer Verbesserung der Stoffwechsellage beiträgt.

Die Ziele sind unter den Betroffenen häufig unterschiedlich. Eine Ernährungsumstellung sollte mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt, auch im Hinblick auf mögliche bereits bestehende Folgeerkrankungen, abgestimmt werden.

Alle Menschen mit Diabetes sollten zudem an einem Schulungsprogramm teilnehmen. Eine Ernährungsberatung, die individuelle Fragen und Bedürfnisse klärt, sollte Teil dieser Schulung und der medizinischen Betreuung sein. Bei der Suche nach einem geeigneten Programm kann die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt weiterhelfen.

Hier erfahren Sie mehr zu Patientenschulungen!

Hier finden Sie eine Liste mit Anlaufstellen!

 

Gut zu wissen:

Ernährungsberatung ist Teil jedes Schulungsprogramms für Menschen mit Diabetes.

Quellen:

American Diabetes Association: Standards of Medical Care in Diabetes - 2019. In: Diabetes Care, 2019, 42: S1-S193
Deutsche Diabetes Gesellschaft: S3-Leitlinie Ernährungsempfehlungen zur Behandlung des Diabetes mellitus – Empfehlungen zur Proteinzufuhr. Version 1.0. 2015
Deutsche Diabetes Gesellschaft: Stellungnahme des Ausschuss Ernährung der DDG zum Consensus Report: Nutrition Therapy for Adults with Diabetes or Prediabetes. 2019 (Letzter Abruf: 03.03.2020)
Deutsche Diabetes Gesellschaft et al.: Deutscher Gesundheitsbericht Diabetes 2019. Kirchheim Verlag, Mainz, 2019
Deutsche Gesellschaft für Ernährung: Süßstoffe in der Ernährung. In: DGEinfo, 2007, 4: 55-58
Evert, A. B. et al.: Nutrition Therapy for Adults with Diabetes or Prediabetes: A Consensus Report. In: Diabetes Care, 2019, 42: 731-754
Landgraf, R. et al.: Therapie des Typ-2-Diabetes. In: Diabetologie, 2018, 13: S144-S165
Mach, R. L.: Alternative Süßungsmittel. In: Aktuel Ernahrungsmed, 2018, 43: S50-S54
Strohm, D.: Glykämischer Index und glykämische Last – ein für die Ernährungspraxis des Gesunden relevantes Konzept? In: Ernährungs Umschau, 2013, 60: M26-M38
Toeller, M. et al.: Evidenz-basierte Ernährungsempfehlungen zur Behandlung und Prävention des Diabetes mellitus. In: Diabetes und Stoffwechsel, 2005, 14: 75-94 (Gültigkeit abgelaufen, in Überarbeitung)
Verband der Diabetesberatungs- und Schulungsberufe: Diabetes und Ernährung. 1. Auflage. 2017
Stand: 09.03.2020