Adipositas

Wissenschaftliche Unterstützung: Theresa Kössler

Die Bezeichnung Adipositas steht für starkes Übergewicht. Sie beruht auf einer übermäßigen Vermehrung des Körperfetts. Umgangssprachlich wird Adipositas häufig auch als Fettleibigkeit bezeichnet.

Adipositas ist nicht nur ein kosmetisches Problem, sondern eine chronische Krankheit, die mit zusätzlichen Krankheitsrisiken einhergeht und zu schwerwiegenden gesundheitlichen Problemen führen kann. Sie stellt zum Beispiel einen der wichtigsten Einflussfaktoren bei der Entstehung eines Typ-2-Diabetes dar. Auch das Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten und bestimmte Krebserkrankungen steigt durch Adipositas deutlich an.

Wie entsteht eine Adipositas?

Eine Adipositas entsteht, wenn mehr Energie über die Nahrung aufgenommen wird, als der Körper verbrauchen kann. Dabei steht meist eine zu hohe Nahrungsaufnahme einer zu geringen körperlichen Aktivität gegenüber. Die überschüssige Energie speichert der Körper in Form von Fettzellen. Einmal entstandene Fettdepots werden nicht automatisch wieder abgebaut, solange der Körper nicht in eine anhaltende Hungerphase kommt. Deswegen kann schon ein geringes Ungleichgewicht zwischen Energieaufnahme und Energieverbrauch über einen längeren Zeitraum zu Übergewicht bis hin zu Adipositas führen.

Jedoch spielen auch genetische und psychische Faktoren eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Adipositas.

Was erhöht das Risiko für Adipositas?

Eine Reihe von Faktoren können das Auftreten einer Adipositas begünstigen:

  • Häufiges Vorkommen von Adipositas in der Familie
  • Ungesunder Lebensstil:
    • Bewegungsmangel
    • Aufnahme von größeren Portionen und ständige Verfügbarkeit energiereicher Lebensmittel
    • Höherer Kaloriengehalt der Nahrungsmittel
    • Ballaststoffarme und/oder fettreiche Ernährung
  • Stress, Depression und Schlafmangel
  • Essstörungen
  • Stoffwechsel-Krankheiten (zum Beispiel Schilddrüsenunterfunktion oder Cushing-Syndrom)
  • Medikamente, die sich auch auf das Körpergewicht auswirken können (beispielsweise Kortison sowie manche Arzneimittel gegen Depressionen, Bluthochdruck oder Diabetes)

Wie wird Adipositas diagnostiziert?

Eine Maßeinheit für die Einschätzung des Körpergewichts im Verhältnis zur Körpergröße stellt der sogenannte Body-Mass-Index, kurz BMI, dar. Der BMI ergibt sich aus dem Quotienten von Körpergewicht (in kg) und Körpergröße zum Quadrat (in m²).

Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gelten Erwachsene mit einem BMI zwischen 18,5 und 24,9 kg/m² als normalgewichtig. Übergewicht ist definiert als ein BMI von 25 kg/m² oder größer. Adipositas beginnt ab einem Body-Mass-Index von 30 kg/m². Dabei wird zwischen 3 verschiedenen Ausprägungsgraden der Adipositas unterschieden.

Gut zu wissen:

Formel zur Berechnung des Body-Mass-Index (BMI):

Je höher der BMI, desto höher ist auch das Gesundheitsrisiko für weitere Erkrankungen.

Klassifizierung

Body-Mass-Index (BMI) [kg/m²]

Risiko für Folgeerkrankungen

Untergewicht

unter 18,5

Niedrig

Normalgewicht

18,5 bis 24,9

Durchschnittlich

Übergewicht

25 bis 29,9

Gering erhöht

Adipositas

ab 30

 

     1. Grades

30 bis 34,9

Erhöht

     2. Grades

35 bis 39,9

Hoch

     3. Grades

über 40

Sehr hoch


Neben der Gewichtsklassifikation hat aber auch die Verteilung des Körperfetts einen starken Einfluss auf das Risiko, Begleiterkrankungen zu entwickeln. Besonders stark erhöht vermehrtes Bauchfett das Risiko für Stoffwechselerkrankungen, wie Typ-2-Diabetes, und Herz-Kreislauf-Krankheiten. Fettpolster, die sich vor allem im Bereich des Bauches ausbilden, werden von Fachleuten auch als viszerale Fettmasse bezeichnet. Durch die Messung des Taillenumfangs kann das Bauchfett beurteilt werden.

Der Taillenumfang wird in der Mitte zwischen der letzten Rippe und der höchsten Stelle des Beckenknochens, dem sogenannten Darmbeinkamm, gemessen. Bei Frauen liegt ab einem Taillenumfang von 88 Zentimetern oder mehr eine bauchbetonte (abdominale) Adipositas vor. Bei Männern umfasst die Definition einen Taillenumfang von 102 Zentimetern oder mehr. Überschreitet der Taillenumfang diese Grenzwerte, ist das Risiko für Stoffwechselerkrankungen und Krankheiten des Herz-Kreislauf-Systems deutlich erhöht.

Die Entwicklung von Übergewicht und Adipositas kann durch mehrere Maßnahmen verhindert werden. Dabei spielt besonders der Lebensstil eine entscheidende Rolle: Denn eine gesunde, ausgewogene Ernährung, viel Bewegung sowie eine regelmäßige Gewichtskontrolle sind die wichtigsten Faktoren, um das Körpergewicht im Normalbereich zu halten.

Die folgenden Empfehlungen aus der aktuellen Leitlinie zur Prävention und Therapie von Adipositas können helfen, die Entstehung von Übergewicht oder Adipositas zu vermeiden:

  • Versuchen Sie sich ausgewogen und ballaststoffreich zu ernähren.
    Vermeiden Sie energiereiche Lebensmittel mit vielen ungesunden Fetten und freien Zuckern. Dazu zählen zum Beispiel Softdrinks, süße Snacks, Fast Food und fette Wurstwaren. Im Gegenzug sollten Sie den Verzehr von Lebensmitteln mit einer niedrigen Energiedichte, wie Gemüse, Obst und Vollkornprodukte, steigern.
  • Probieren Sie möglichst auf alkoholische Getränke zu verzichten.
  • Versuchen Sie sich regelmäßig zu bewegen und körperliche Aktivität in Ihren Alltag zu integrieren.

Adipositas kann eine Vielzahl gesundheitlicher Probleme nach sich ziehen, die die Lebensqualität stark beeinträchtigen können. Zusätzlich gehen Übergewicht und Adipositas durch die Folgeerkrankungen mit einer verringerten Lebenserwartung einher.

Es gibt kaum ein Organ oder Organsystem, das nicht von Krankheiten betroffen sein kann, die mit Adipositas zusammenhängen (Adipositas-assoziiert sind).

Das Körpergewicht ist eng verknüpft mit dem Risiko, an Typ-2-Diabetes zu erkranken. Dabei spielen besonders die Dauer und die Ausprägung der Adipositas eine entscheidende Rolle: Je 1 kg/m² höherem BMI steigt das Typ-2-Diabetes-Risiko um 20 Prozent an. Forscherinnen und Forscher vermuten, dass durch andauernden Bewegungsmangel, ein Überangebot an energie- und zuckerreichen Lebensmitteln sowie eine veränderte Freisetzung von Botenstoffen aus dem Fettgewebe, Adipositas die Entstehung einer Insulinresistenz fördert.

Gut zu wissen:

Adipositas ist mit einem erhöhten Diabetes-Risiko verbunden.

Die Körperzellen reagieren nicht mehr so empfindlich auf das Hormon Insulin und der Zucker verbleibt vermehrt im Blut. Die insulinproduzierenden Betazellen der Bauchspeicheldrüse versuchen dies auszugleichen, indem sie immer mehr Insulin produzieren. Diese Überanstrengung führt jedoch zu einer Erschöpfung der Betazellen, was wiederum dazu führt, dass zu wenig Insulin gebildet wird. Der Blutzuckerspiegel steigt an und es entsteht ein Typ-2-Diabetes. Etwa 80 Prozent aller neu diagnostizierten Menschen mit Typ-2-Diabetes sind übergewichtig.

Weitere Informationen zur Entstehung eines Typ-2-Diabetes finden Sie hier!

Des Weiteren kann Adipositas zu Fettstoffwechselstörungen, Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen. Liegen diese Krankheiten gleichzeitig in Kombination mit Adipositas und einem gestörten Zuckerstoffwechsel vor, wird dies auch als metabolisches Syndrom bezeichnet.

Übergewichtige und adipöse Menschen haben zudem ein erhöhtes Risiko für Tumor-, Magen-Darm-, Nieren- und Lungenerkrankungen. Auch besteht ein Zusammenhang zwischen Adipositas und hormonellen Störungen bei Frauen und Männern, wie zum Beispiel dem Polyzystischen Ovarialsyndrom oder Unfruchtbarkeit.

Neben den medizinischen Gesundheitsrisiken spielen aber auch psychosoziale Aspekte bei Adipositas eine wichtige Rolle. Noch immer führt Adipositas häufig zu einer sozialen Ausgrenzung. Die Folgen können Depressionen und Angststörungen, eine verminderte Teilnahme am sozialen Geschehen sowie ein vermindertes Selbstwertgefühl sein. Die eingeschränkte körperliche Beweglichkeit kann zusätzlich die Lebensqualität beeinträchtigen, wodurch der Leidensdruck der an Adipositas erkrankten Menschen weiter steigt.

Generell gilt: Je länger Übergewicht besteht und je stärker der Ausprägungsgrad ist, umso schwieriger gestalten sich die Therapie und die Behandlung der Adipositas-assoziierten Folgeerkrankungen. In einigen Fällen können mögliche Folgeerkrankungen nicht mehr rückgängig gemacht werden.

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Die wichtigsten Ziele der Adipositas-Behandlung sind eine langfristige Reduktion des Körpergewichts, die Therapie beziehungsweise Vorbeugung von Adipositas-assoziierten Folgeerkrankungen sowie eine Steigerung der Lebensqualität. Für einen bestmöglichen Erfolg sollten die Behandlungsziele dabei realistisch und den individuellen Voraussetzungen angepasst sein. Bereits eine Abnahme um 5 bis 10 Prozent des eigenen Körpergewichts wirkt sich positiv auf die Gesundheit aus.

Gut zu wissen:

Schon eine Abnahme von 5 bis 10 Prozent des Ausgangsgewichts verbessert die Gesundheit.

Zusätzlich ist zu beachten, dass es sich bei der Adipositas um eine chronische Erkrankung mit hoher Rückfallquote handelt. Daher ist es entscheidend, über die eigentliche Phase der Gewichtsabnahme hinaus eine langfristige Gewichtskontrolle zu erreichen.

Aus medizinischer Sicht wird eine Gewichtsreduktion folgenden Personen empfohlen:

  • Adipösen Menschen mit einem BMI von 30 kg/m² oder höher.
  • Übergewichtigen Menschen mit einem BMI zwischen 25 und 29,9 kg/m², die zusätzlich
    • andere Krankheiten, wie Bluthochdruck oder Typ-2-Diabetes,
    • eine bauchbetonte Fettverteilung (abdominale Adipositas) mit einem Taillenumfang über 88 (Frauen) beziehungsweise 102 Zentimetern (Männern) oder
    • eine erhöhte psychosoziale Belastung aufweisen.

Das Basisprogramm zur Behandlung der Adipositas besteht aus 3 Säulen: Ernährung, Bewegung und dem eigenen Verhalten. Nur wenn durch das Basisprogramm keine oder nur eine unzureichende Gewichtsabnahme erzielt werden kann, können zum Teil auch medikamentöse oder chirurgische Maßnahmen angewandt werden, um starkes Übergewicht zu behandeln.

Ernährung

Um abnehmen zu können, ist es erforderlich, dass dem Körper weniger Energie zugeführt wird als er verbraucht. Pro Tag sollte die Energieaufnahme um etwa 500 Kilokalorien (kurz kcal, umgangssprachlich häufig auch nur als Kalorien bezeichnet) unter dem individuellen Tagesbedarf liegen. So kann eine kontinuierliche Gewichtsreduktion von etwa 1 bis 2 Kilogramm pro Monat erreicht werden.

Dabei spielt die Makronährstoffzusammensetzung der aufgenommenen Nahrung eine untergeordnete Rolle. Eine reduzierte Energiezufuhr kann sowohl durch eine verminderte Aufnahme von Fett, Kohlenhydraten oder einer Kombination aus beidem erreicht werden. Wichtig ist, dass man sich auf eine Ernährungsform festlegt, die gut zu einem passt und auch langfristig umsetzbar ist. Kleinere Ausnahmen hin und wieder sind dabei erlaubt.

Gerade zu Beginn der Therapie empfiehlt sich die Teilnahme an einer Ernährungsberatung. In diesem Rahmen können individuelle Ernährungsempfehlungen und Ziele definiert werden, die sich nach den persönlichen Gegebenheiten und dem Gesundheitszustand des oder der Betroffenen ausrichten.

Erfordern beispielsweise medizinische Gründe bei Personen mit einem BMI von 30 kg/m² oder mehr einen kurzfristigen hohen Gewichtsverlust, können auch spezielle Kostformen – sogenannte Formulaprodukte oder Formuladiäten – mit einer sehr niedrigen Energiezufuhr (Gesamtenergiemenge 800 bis 1200 kcal pro Tag) eingesetzt werden. Diese sollten jedoch maximal 12 Wochen und nur unter ärztlicher Aufsicht angewandt werden.

Egal welche Strategie verfolgt wird, sollte immer darauf geachtet werden, dass der Körper weiterhin mit allen wichtigen Nährstoffen versorgt wird. Stark einseitige Ernährungsformen können mit hohen gesundheitlichen Risiken einhergehen und führen nicht zu einem langfristigen Abnehmerfolg. Sie sind daher nicht zu empfehlen.

Erfahren Sie hier, wie eine ausgewogene Ernährung aussieht!

Bewegung

Neben der Ernährung spielt Bewegung eine wichtige Rolle bei der Adipositas-Therapie. Denn körperliche Aktivität führt zu einem erhöhten Energieverbrauch und verhindert den Abbau von Muskelmasse. Dadurch trägt Bewegung ebenfalls zur Gewichtsreduktion und -stabilisierung bei. Zusätzlich wirkt sich die Bewegung positiv auf die Gesundheit und Lebensqualität aus und kann zur Verbesserung von Herz-Kreislauf-, Stoffwechsel- und psychosozialen Krankheiten beitragen.

Die aktuelle Leitlinie zur Therapie von Übergewicht und Adipositas empfiehlt, sich pro Woche mindestens 150 Minuten zu bewegen. Dabei eignen sich besonders Ausdauersportarten wie Wandern, Walken, Joggen, Radfahren oder Schwimmen. Die Art und auch die Intensität der Bewegung sollten individuell nach dem Gesundheitszustand sowie den jeweiligen Vorlieben ausgewählt werden. Bei einem BMI über 35 kg/m² sollten gelenkschonende Sportarten, wie zum Beispiel Schwimmen oder Wassergymnastik, bevorzugt werden.

Bevor man mit der Bewegungstherapie startet, sollte dies kurz mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt abgesprochen werden, um mögliche Risiken im Vorfeld abzuklären.

Des Weiteren sollten Sie versuchen, ihren Alltag aktiver zu gestalten und mehr Bewegung einzubauen. Dafür gibt es zahlreiche Möglichkeiten. Hier ein paar Beispiele:

  • Nutzen Sie öfters mal die Treppe anstelle des Fahrstuhls.
  • Verzichten Sie für kürzere Wege auf das Auto, die Straßenbahn oder den Bus.
  • Machen Sie abends einen entspannenden Spaziergang.
  • Platzieren Sie häufig benötigte Arbeitsgeräte außerhalb der bequemen Reichweite.

Verhalten

Um das Körpergewicht zu senken und auch langfristig stabil zu halten, müssen neben der Umstellung des Ernährungs- und Bewegungsverhaltens häufig auch die bisherigen Lebensgewohnheiten angepasst werden. Dabei kann die Teilnahme an einer Verhaltenstherapie hilfreich sein.

Im Rahmen der Verhaltenstherapie werden verschiedene Aspekte und mögliche Strategien besprochen, die helfen können, die Lebensstiländerung langfristig durchzuführen und alternative Verhaltensweisen und Problemlösungsansätze zu entwickeln. Sie sollte jeweils nach der individuellen Situation der Teilnehmenden ausgerichtet werden.

Medikamente

Wenn durch das Basisprogramm zur Adipositas-Behandlung keine oder nur eine geringe Gewichtsreduktion erreicht werden konnte, kann zusätzlich zur Ernährungs-, Bewegungs- und Verhaltenstherapie eine medikamentöse Therapie durchgeführt werden.

Der Einsatz einer medikamentösen Therapie ist möglich

  • bei übergewichtigen Personen mit einem BMI von 28 kg/m² oder höher, die zusätzlich Risikofaktoren, zum Beispiel Prädiabetes oder erhöhte Blutfettwerte, und/oder weitere Folgeerkrankungen, wie Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, aufweisen, und
  • bei adipösen Personen mit einem BMI von 30 kg/m² oder höher, wenn diese
    • mit dem Basisprogramm weniger als 5 Prozent ihres Körpergewichts innerhalb von 6 Monaten abnehmen konnten oder
    • nach einer Gewichtsreduktion innerhalb von 6 Monaten wieder mehr als 5 Prozent des Ausgangsgewichts zugenommen haben.

Des Weiteren sollte eine medikamentöse Therapie nur dann fortgesetzt werden, wenn innerhalb der ersten 4 Wochen eine Gewichtsreduktion von mindestens 2 kg zu verzeichnen ist.

Derzeit wird nur das Medikament Orlistat zur medikamentösen Therapie von Übergewicht und Adipositas empfohlen. Orlistat hemmt die Aufnahme von Fetten aus dem Darm und damit auch die Kalorienaufnahme. Häufig auftretende Nebenwirkungen sind weiche Stühle, gesteigerter Stuhldrang und Blähungen.

Liegt bei Menschen mit Adipositas zusätzlich ein Typ-2-Diabetes vor, sollten bevorzugt blutzuckersenkende Medikamente eingesetzt werden, die zusätzlich einen positiven Effekt auf das Körpergewicht haben. Dazu zählen die GLP-1-Rezeptoragonisten, wie Exenatid und Liraglutid, und SGLT-2-Hemmer.

Der GLP-1-Rezeptoragonist Liraglutid ist seit Kurzem in höherer Dosierung (3 Milligramm pro Tag) auch für die alleinige Behandlung von Adipositas zugelassen. Allerdings sollte das Medikament wieder abgesetzt werden, wenn innerhalb von 12 Wochen bei einer Dosierung von 3 Milligramm pro Tag nicht eine Gewichtsabnahme von 5 Prozent des Ausgangsgewichts erreicht wird.

Chirurgische Therapie

Eine weitere Behandlungsmöglichkeit stellt die chirurgische Therapie dar. Fachleute sprechen in diesem Zusammenhang häufig auch von bariatrischer Chirurgie. Sie kommt in Betracht, wenn eine extreme Adipositas vorliegt und das Basisprogramm (Ernährung, Bewegung und Verhaltenstherapie) über mindestens 6 Monate nicht zum gewünschten Erfolg geführt hat.

Die folgenden Voraussetzungen müssen für eine chirurgische Operation erfüllt sein:

  • ein BMI von 40 kg/m² oder höher (Adipositas Grad III)
  • ein BMI von 35 kg/m³ oder höher (Adipositas Grad II) und Adipositas-assoziierte Folgeerkrankungen, wie zum Beispiel Typ-2-Diabetes oder Bluthochdruck

In Sonderfällen können auch Personen mit einem BMI zwischen 30 und 34,9 kg/m² (Adipositas Grad I) und Adipositas-assoziierten Folgeerkrankungen für eine chirurgische Therapie in Frage kommen.

Bevor eine Operation durchgeführt werden kann, ist es wichtig, dass eine ärztliche Untersuchung zur Beurteilung des Gesundheitszustandes der Patientin beziehungsweise des Patienten stattfindet. Zusätzlich erfolgt eine detaillierte Aufklärung zur Operation sowie möglichen Risiken und Nutzen der chirurgischen Therapie.

Die gängigsten chirurgischen Verfahren zur Behandlung der Adipositas sind Eingriffe am Magen. Dabei unterscheidet man zum Beispiel zwischen

  • der Implantation eines Magenbandes,
  • der Anlage eines Schlauchmagens und
  • eines Magenbypasses.

Gut zu wissen:

Hauptziele der Adipositas-Chirurgie sind die Verbesserung der Adipositas-assoziierten Folgeerkrankungen sowie eine Steigerung der Lebensqualität.

Die Operationen führen dazu, dass sich das Magenvolumen verkleinert und/oder sich die Magen-Darm-Passage verkürzt. Dies hat zur Folge, dass nur noch kleinere Nahrungsportionen und/oder weniger Nährstoffe über den Darm aufgenommen werden können. Im Durchschnitt kann innerhalb von 24 Monaten nach einer chirurgischen Magenverkleinerung eine Gewichtsabnahme von 20 bis 30 Kilogramm erreicht werden.

Trotzdem muss beachtet werden, dass es sich bei der chirurgischen Therapie um eine Operation handelt, wobei immer ein gesundheitliches Risiko besteht. Zusätzlich sind die meisten der chirurgischen Eingriffe nicht mehr rückgängig zu machen und gehen zum Teil mit Nebenwirkungen, wie zum Beispiel Mangelerscheinungen, einher. Vor diesem Hintergrund sollte diese Maßnahme im Vorfeld sehr gut abgewogen werden und nach der bariatrischen Operation eine lebenslange Nachsorge erfolgen.

In den letzten Jahrzehnten ist die Häufigkeit von Übergewicht und Adipositas kontinuierlich angestiegen. Laut Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat sich der Anteil stark übergewichtiger Menschen in vielen europäischen Ländern seit den 1980er-Jahren verdreifacht.

In Deutschland sind rund 2 Drittel der Männer und die Hälfte der Frauen von Übergewicht betroffen. Davon weist etwa ein Viertel einen BMI von 30 kg/m² oder höher auf und gilt als adipös.

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Quellen:

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Hauner, H.: Ernährungsmedizinische Konzepte bei Adipositas. In: Der Internist, 2015, 56: 137-142
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Renehan, A. G. et al.: Body-mass index and incidence of cancer: a systematic review and meta-analysis of prospective observational studies. In: Lancet, 2008, 371: 569-578
Mensink, G. B. M. et al.: Overweight and obesity in Germany. Results of the German Health Interview and Examination Survey for Adults (DEGS1). In: Bundesgesundheitsblatt, 2013, 56: 786-794
RKI Diabetes-Surveillance: https://diabsurv.rki.de/Webs/Diabsurv/DE/startseite/startseite-node.html (Letzter Abruf: 10.12.2019)
Stand: 10.01.2019