Die Diagnose von Diabetes Typ 2

Wissenschaftliche Unterstützung: Yanislava Karusheva

Bei Menschen mit einem Typ-2-Diabetes ist der Blutzuckerspiegel (Blutglukosespiegel) erhöht. Zur Diagnose des Diabetes stehen mehrere Möglichkeiten zur Verfügung. Die Deutsche und Amerikanische Diabetes Gesellschaft nennen 4 Methoden zur Diagnosefindung:

  • HbA1c-Wert (Blutzucker-Langzeitwert)
  • Nüchternblutzuckerwert
  • 2-Stunden-Blutzuckerwert nach einem oralen Glukosetoleranztests mit 75 Gramm Glukose (oGTT)
  • Gelegenheits-Blutzucker

HbA1c-Wert

Der HbA1c-Wert, auch als Blutzucker-Langzeitwert bekannt, beschreibt die durchschnittliche Blutzuckerkonzentration der letzten 8 bis 12 Wochen. Dieser Wert kann anhand einer Blutprobe bestimmt werden. Patientinnen und Patienten müssen dafür nicht nüchtern sein.

Ist der HbA1c-Wert größer oder gleich 6,5 Prozent (48 mmol/mol) liegt ein Diabetes mellitus vor.

Bei einem HbA1c-Wert unter 5,7 Prozent (39 mmol/mol) kann die Krankheit hingegen ausgeschlossen werden. Liegt der HbA1c-Wert zwischen diesen Grenzen, führen Ärztinnen und Ärzte weitere Messungen des Nüchternblutzuckerwertes und des oGTT-2-Stunden-Blutzuckerwertes (oGTT = oraler Glukosetoleranztest) durch.

Nüchternblutzuckerwert

Der Nüchternblutzuckerwert im venösen Plasma wird morgens, nach einer Fastenperiode von mindestens 8 Stunden, durch eine Blutabnahme bestimmt.

Ein Diabetes mellitus liegt bei einem Nüchternblutzuckerwert von 126 mg/dl (7,0 mmol/l) oder größer vor. Bei einem Messwert zwischen 100 mg/dl (5,6 mmol/l) und 125 mg/dl (6,9 mmol/l) liegt eine gestörte Nüchternglukosetoleranz, auch Prädiabetes genannt, vor. Zur Abklärung machen Ärztinnen und Ärzte meist einen oralen Glukosetoleranztest.

Gut zu wissen:

Eine gestörte Nüchternglukosetoleranz, auch Prädiabetes genannt, ist eine mögliche Vorstufe von Diabetes.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und zahlreiche andere Diabetes-Gesellschaften setzen den Grenzwert für eine gestörte Nüchternglukosetoleranz oder einen Prädiabetes etwas höher –  bei 110 mg/dl (6,1 mmol/l) – an.

Ora­ler Glu­ko­se­to­le­ranz­test (oGTT)

Der orale Glukosetoleranztest (oGTT) dient der Kontrolle des Blutzuckerspiegels und wird bei Verdacht auf das Vorliegen eines Diabetes mellitus durchgeführt. Er zeigt an, wie gut der Zucker aus der Nahrung in die Körperzellen aufgenommen werden kann. Bei einer normalen Stoffwechsellage führt die Aufnahme von Kohlenhydraten zu einem Anstieg der Blutzuckerkonzentration, die eine Ausschüttung von Insulin aus der Bauchspeicheldrüse auslöst. Das Insulin bewirkt die Aufnahme des Zuckers in die Körperzellen, wodurch der Blutzuckerspiegel wieder rasch abgesenkt wird. Bei einem Typ-2-Diabetes wird eine zu geringe Menge Insulin aus der Bauchspeicheldrüse ausgeschüttet, beziehungsweise wirkt das ausgeschüttete Insulin nicht richtig an den Körperzellen. Dies führt zu einem höheren und länger anhaltenden Anstieg des Blutzuckerspiegels.

  • Der oGTT findet im Sitzen oder Liegen statt. 8 bis 12 Stunden vorher darf keine Nahrung aufgenommen und nicht geraucht werden.
  • 3 Tage vor der Durchführung des oGTTs sollte eine kohlenhydratreiche Ernährung angestrebt werden (mindestens 150 Gramm Kohlenhydrate pro Tag).
  • Zu Beginn des Testes (Zeitpunkt 0) wird eine vorgefertigte Glukoselösung mit 75 Gramm Glukose innerhalb von 5 Minuten getrunken. Während der 2-stündigen Messperiode wird zu den Zeitpunkten 0 und 120 Minuten Blut abgenommen, um den Blutzuckerspiegel zu bestimmen.

Eine normale Glukosetoleranz wird definiert durch einen Nüchternblutzuckerwert (Zeitpunkt 0) kleiner 100 mg/dl (kleiner 5,6 mmol/l) und einen oGTT-2-Stunden-Blutzuckerwert kleiner 140 mg/dl (kleiner 7,8 mmol/l), jeweils im venösen Plasma gemessen. Bei Nüchternblutzuckerwerten größer oder gleich 126 mg/dl (7,0 mmol/l) oder oGTT-2-Stunden-Werten größer oder gleich 200 mg/dl (11,1 mmol/l) liegt ein Diabetes mellitus vor.

Personen, die einen Blutzuckerspiegel oberhalb der normalen Glukosetoleranz, aber unterhalb der Diabetes-Diagnose aufweisen, haben ein erhöhtes Risiko an Diabetes zu erkranken. Dieser Übergangsbereich wird als Prädiabetes bezeichnet und umfasst eine gestörte Nüchternglukose (Nüchternblutzuckerspiegel größer oder gleich 100 mg/dl (größer oder gleich 5,6 mmol/l) und kleiner 126 mg/dl (kleiner 7,0 mmol/l)) sowie eine gestörte Glukosetoleranz (2-Stunden oGTT größer oder gleich 140 mg/dl (größer oder gleich 7,8 mmol/l) und kleiner 200 mg/dl (kleiner 11,1 mmol/l)).

 

Ge­le­gen­heits-Blut­zu­cker

Spüren Patientinnen oder Patienten bereits Anzeichen für Diabetes, wie zum Beispiel eine erhöhte Urinausscheidung oder ein gesteigertes Durst- und Schwächegefühl, kann auch der Gelegenheits-Blutzucker im venösen Plasma ein Diagnosekriterium für Diabetes mellitus sein.

Ein Blutzuckerspiegel im nicht nüchternen Zustand von 200 mg/dl (11,1 mmol/l) oder höher weist auf das Vorliegen eines Diabetes hin. Die Diagnose sollte zusätzlich durch die Bestimmung des Nüchternblutzuckers oder mithilfe eines oGTTs überprüft werden.

Hier befindet sich ein Video von Vimeo. Mit Ihrer Zustimmung wird eine Verbindung zu Vimeo aufgebaut. Vimeo setzt gegebenenfalls auch Cookies ein. Für weitere Informationen klicken Sie hier.

Quellen:

American Diabetes Association: Standards of Medical Care in Diabetes - 2019. In: Diabetes Care, 2019, 42: S1-S193
Nauck, M. et al.: Definition, Klassifikation und Diagnostik des Diabetes mellitus. In: Diabetologie, 2017, 12: S94-S100
Stand: 04.12.2019