Wie entsteht ein Diabetes Typ 2?

Wissenschaftliche Unterstützung: Dr. Theresia Sarabhai

Typ-2-Diabetes entsteht über einen langen Zeitraum und meist ohne, dass Betroffene Anzeichen der Erkrankung spüren. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler untersuchen intensiv, welche Ursachen wie und warum genau zu einem Typ-2-Diabetes führen. Neben einer erblichen Veranlagung spielt vor allem ein ungesunder Lebensstil mit Übergewicht und Bewegungsmangel eine Rolle.

Was erhöht das Risiko für Diabetes Typ 2?

Eine Reihe von Faktoren begünstigt das Auftreten eines Typ-2-Diabetes:

  • Häufiges Vorkommen von Typ-2-Diabetes in der Familie
  • Höheres Alter
  • Übergewicht, erhöhter Blutdruck und erhöhte Blutfette (zum Beispiel Cholesterin)
  • Ungesunder Lebensstil:
    • Rauchen
    • Bewegungsmangel
    • Ballaststoffarme und/oder fettreiche Ernährung
  • Diabetes in der Schwangerschaft
  • Medikamente, die den Zuckerstoffwechsel verschlechtern (zum Beispiel Kortison)
  • Andere hormonelle Erkrankungen (zum Beispiel ein Polyzystisches Ovarialsyndrom)

Welche Abläufe im Körper sind beim Diabetes Typ 2 gestört?

Bei einem Typ-2-Diabetes wirkt Insulin nicht mehr richtig an den Körperzellen. Insulin ist ein lebenswichtiges Hormon im menschlichen Körper. Es wird in den Betazellen der Langerhans-Inseln der Bauchspeicheldrüse gebildet. Die Bauchspeicheldrüse liegt im Oberbauch hinter dem Magen.

Nach einer Mahlzeit schüttet die Bauchspeicheldrüse Insulin ins Blut aus. Das Insulin sorgt dafür, dass der Zucker (genauer: Traubenzucker oder Glukose) aus der Nahrung in die Zellen der verschiedenen Organe gelangt, zum Beispiel in die Leber, die Muskeln oder ins Fettgewebe. Der Zucker dient den Körperzellen als lebenswichtige Energie.

Beim Typ-2-Diabetes sind 2 Vorgänge der Insulinwirkung gestört, wodurch der Blutzucker ansteigt:

  1. Das Insulin kann an den Zellen der verschiedenen Organe nur noch schwach oder ungenügend wirken. Dadurch kann der Zucker nicht in die Körperzellen aufgenommen werden und verbleibt im Blut. Diese Störung nennen Fachleute Insulinresistenz.
     
  2. Weil die Körperzellen nur noch schwach auf Insulin reagieren, produziert die Bauchspeicheldrüse immer mehr Insulin, um die Blutzuckerwerte abzusenken. Diese hohe Anstrengung führt dazu, dass die Betazellen der Bauchspeicheldrüse immer mehr erschöpfen. Sie stellen nicht mehr genug Insulin her und es gelangt zu wenig Insulin ins Blut. Es entsteht ein Insulinmangel. Fachleute sprechen auch von einem relativen Insulinmangel, denn die Bauchspeicheldrüse stellt immer noch Insulin her. Die Menge des Insulins reicht jedoch nicht dazu aus, dass die insulinresistenten Körperzellen den Zucker aus dem Blut aufnehmen.

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Ein Typ-2-Diabetes entwickelt sich schleichend über einen längeren Zeitraum. Bevor Menschen daran erkranken, leiden sie in den meisten Fällen schon lange Zeit und unbemerkt an einer Vorstufe von Typ-2-Diabetes, dem sogenannten Prädiabetes. Menschen mit einem Prädiabetes haben bereits erhöhte Blutzuckerwerte. Die Werte sind jedoch noch nicht so hoch, dass Fachleute von einem Diabetes sprechen. Fachkräfte nennen diesen Zustand auch eine gestörte Glukosetoleranz  oder einen abnormen Nüchternblutzucker.

Gut zu wissen:

Die Vorstufe von Typ-2-Diabetes wird Prädiabetes genannt.

Durch die erhöhten Blutzuckerwerte haben Menschen mit Prädiabetes ein stark erhöhtes Risiko, im weiteren Verlauf an Typ-2-Diabetes zu erkranken. Der Entwicklung eines Typ-2-Diabetes können Menschen mit einem Prädiabetes jedoch häufig noch vorbeugen, beispielsweise durch mehr Bewegung und eine Gewichtsabnahme.

Hier erfahren Sie mehr über die Typ-2-Diabetes-Diagnose!

Schon lange bevor Menschen an einem Typ-2-Diabetes oder einem Prädiabetes erkranken, leiden sie bereits an einer Insulinresistenz. Bei dieser Vorstufe sprechen die Körperzellen – vor allem in Muskeln, Leber und Fettgewebe – nicht mehr ausreichend auf das Hormon Insulin an. Das Insulin kann dadurch den Zucker nicht mehr effektiv aus dem Blut in die Körperzellen transportieren.

Zwischen dem Auftreten einer Insulinresistenz und der Entwicklung hoher Blutzuckerspiegel liegt oft ein zeitlicher Abstand von mehreren Jahren bis Jahrzehnten. In dieser Phase kommt es anfangs nur zu sehr milden, oft nicht wahrnehmbaren Veränderungen bestimmter Funktionen im Zuckerstoffwechsel.

Eine Insulinresistenz erhöht neben dem Risiko für Diabetes-Typ-2 auch die Risiken für Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Fettstoffwechselstörungen und Übergewicht. Liegen diese Erkrankungen gleichzeitig vor, bezeichnen Fachleute dies als „Metabolisches Syndrom“.

Mehr Informationen zum Metabolischen Syndrom finden Sie hier!

Bei der Entstehung einer Insulinresistenz spielt die erbliche Vorbelastung in der Familie eine wichtige Rolle. Doch auch bestimmte Lebensgewohnheiten begünstigen die Entstehung. Wichtige Risikofaktoren sind

  • Bewegungsmangel,
  • falsche Ernährung und
  • Übergewicht.

Wie genau Fettleibigkeit und Bewegungsmangel die Insulinresistenz verstärken, ist noch nicht vollständig geklärt. Bei Menschen mit einer Insulinresistenz arbeiten laut Untersuchungen die Zellen des Fettgewebes, besonders im Bauchbereich, nicht mehr so wie bei Menschen ohne eine Insulinresistenz.

Diese Zellen im Fettgewebe nehmen weniger Zucker aus dem Blut auf und geben mehr Fette ins Blut ab. Forscherinnen und Forscher vermuten zudem eine veränderte Freisetzung von Botenstoffen aus dem Fettgewebe. Durch diese Botenstoffe gelangt der Körper in eine Art Entzündungszustand, der zusätzlich für die verminderte Insulinwirkung an den Körperzellen in Muskeln, Leber und Fettgewebe verantwortlich sein kann.

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Warum erkranken immer mehr Menschen an Diabetes? 
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Quellen:

American Diabetes Association: Standards of medical care in diabetes – 2019. In: Diabetes Care, 2019, 42: S1-S193
Bundesärztekammer (BÄK) et al.: Nationale Versorgungsleitlinie Therapie des Typ-2-Diabetes. 1. Auflage. Version 4. Gültigkeit abgelaufen. In Überprüfung. 2013
Bundesärztekammer (BÄK) et al.: Therapie des Typ-2-Diabetes. Patientenleitlinie zur Nationalen Versorgungsleitlinie. 1. Auflage. Version 1. 2015
Hanefeld, M. & Pistrosch, F.: Metabolisches Syndrom und Insulinresistenz. In: Gastroenterologe, 2017, 12: 300-304
International Diabetes Federation: The IDF consensus worldwide definition of the metabolic syndrome. 2006
Landgraf, R. et al.: Therapie des Typ-2-Diabetes – Praxisempfehlungen der Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG). In: Diabetologie und Stoffwechsel, 2018, 13: S144-S165
McCracken, E. et al.: Pathophysiology of the metabolic syndrome. In: Clinics in Dermatology, 2018, 36: 14-20
Stand: 31.10.2019